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Kummer, Johann Jakob

geboren 3.10.1828 Wynau, gestorben 19.1.1913 Bern, ref., von Höchstetten. Sohn des Andreas, Gerbers und Landwirts. ∞ Rosina Trüssel. 1848-51 Stud. der Theologie in Bern. 1851-58 war K. Vikar in versch. Berner Gemeinden. Politisch und kirchlich freisinnig, geriet er in Konflikt mit den Behörden. Im Anschluss an die Unterzeichnung des Abberufungsbegehrens gegen die konservative Regierung wurde er politisch gemassregelt und erst 1858 zum Pfarrer gewählt. Als solcher und als Schulmann wirkte er bis 1862 in Huttwil. 1874-80 war er freisinniger Berner Grossrat, 1862-73 Regierungsrat. Als Erziehungsdirektor machte er sich um das Primar- und Hochschulwesen im Kt. Bern verdient. Die Lehrerschaft verdankte ihm höhere Besoldungen und die Schaffung einer Lehrerkasse, die Universität die Revision des Hochschulgesetzes von 1834 sowie die Berufung von Theodor Kocher als Professor. Aus K.s Regierungszeit stammt auch das Gesetz, das den Angehörigen religiöser Orden die Erteilung von Primarschulunterricht an den öffentl. Schulen verbot. Mit diesem Vorgefecht des Kulturkampfs riss er den Graben zwischen dem kath. Landesteil Jura und Alt-Bern bereits in den 1860er Jahren auf. Als Direktor des Eidg. Statistischen Bureaus (1873-85) war er mitbeteiligt an der Schaffung der Grundlagen für die schweiz. Mortalitätsstatistik. 1885 gründete K. das Eidg. Versicherungsamt, dem er bis 1904 vorstand. Er leitete die Beaufsichtigung von Privatunternehmungen auf dem Gebiet des Versicherungswesens durch den Staat in die Wege. Wiederholt nahm er auf die Gesetzgebung zur Bekämpfung des Alkoholismus Einfluss. K. wurde v.a. als Statistiker und Fachmann für Versicherungsfragen über den Kt. Bern hinaus bekannt. 1873 Dr. h.c. der philosoph. und 1884 der medizin. Fakultät der Univ. Bern.


Werke
Gesch. der Statistik der Schweiz, 1885
Bundesrat Schenk 1823-1895, 1908
Literatur
Helvetia 32, 1913, 81-84
Pionier, 1913, Nr. 6, 54-58
Mitt. der Vereinigung schweiz. Versicherungsmathematiker 13, 1913, H. 8, 27-34
– Junker, Bern 2, 341-343

Autorin/Autor: Peter Stettler