Trachselwald (Gemeinde)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. T., Verwaltungskreis Emmental. Sie umfasst die nördl. Hälfte des Dorfs T., dessen südl. Hälfte zur Gem. Lützelflüh gehört, sowie das bergige Einzugsgebiet des Dürrbachs mit dem Lichtgut-, Laternen-, Binz- und Dürrgraben, das 1967 in Heimisbach umbenannt wurde. 1131 Trahselwalt. 1764 970 Einw.; 1850 1'717; 1900 1'473; 1950 1'393; 2000 1'100. Auf einheim. Herrensitze weisen die vermutlich hochma. Erdwerke auf Hopferen und Felben (Schlossknubel); aus dem HochMA datiert auch die Burg T. über dem Dorf. Im MA war das Niedergericht T. in zwei Hälften geteilt: Das Dorf gehörte zur Burg und deren Gericht, der Dürrgraben bildete möglicherweise das sonst nicht lokalisierbare Amt Rüti; beide Gerichte kamen 1408 an Bern. Hochgerichtlich unterstand T. dem Landgericht Ranflüh. Das Dorf lag zwar im Herzen der neuen Landvogtei T. und ab 1803 im Amt T., Zentrum war aber immer das Schloss T., auch wenn die Landschreiberei ab dem 17. Jh. im Dorf stand. Die 1275 erw. Kirche wurde nach dem Dorfbrand 1574 neu errichtet und 1668 umgestaltet; der Turm stammt von 1464 und wurde 1786 erneuert. Der Kirchensatz kam durch Schenkung der Fam. von Schweinsberg 1374-75 an den Dt. Orden, später an dessen Kommende Sumiswald und 1698 mit der Kommende an Bern. Das 1394 von Burkart von Sumiswald gestiftete Bruderhaus mit Kapelle St. Oswald im Holderwald ging in der Reformation restlos ab. Beim Flurnamen Kappeli ist eine Kapelle urkundlich nicht bezeugt. Die Bauern in T. gaben im 16. Jh. den Zelgbau auf, teilten 1591 die Dorfberg-Allmend auf und gingen zum Feldgrasbau der Einzelhöfe über. Bis zum Bauverbot 1704 siedelten Arme unter dem Bevölkerungsdruck unerlaubt in den schattigen Gräben. Da T. im 19. Jh. von der neuen Talstrasse und der Ramsei-Huttwil-Bahn nicht berührt wurde, stagnierte es. Entsprechend blieb neben etwas Kleingewerbe die Landwirtschaft mit Vieh- und Milchwirtschaft vorherrschend. T. hat kein eigenes Schulhaus; es steht im Schulverbund mit Grünenmatt für die Primar- sowie mit Sumiswald für die Sekundarschulen.


Quellen
SSRQ BE II/8
Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
– J. Rettenmund, Amtsbez. T., 1991
– E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. T., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler