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Zschokke, Heinrich

geboren 22.3.1771 Magdeburg, gestorben 27.6.1848 Aarau, luth., aus Magdeburg, ab 1798 Landesbürgerrecht der Drei Bünde, ab 1801 von Malans, ab 1804 von Ueken, ab 1816 von Beromünster, ab 1823 von Aarau sowie 1830 Ehrenbürger von Magdeburg und 1833 von Lausen. Sohn des Johann Gottfried, Tuchmachers, und der Dorothea Elisabeth Jordan. ∞ 1805 Anna Elisabeth Nüsperli, Tochter des Jakob, Pfarrers. Schwager des Ernst August Evers. Z. ist der Stammvater aller schweiz. Z. Er wuchs als Waise auf. 1788 verliess er Magdeburg und schloss sich u.a. als Theaterdichter einer Schauspieltruppe an. Ab 1790 studierte er Theologie in Frankfurt an der Oder. Nach der Promotion und Ordination 1792 reiste er durch die Schweiz und Frankreich, übernahm 1796 die Führung der Erziehungsanstalt in Reichenau, musste aber im Aug. 1798 als Anhänger der revolutionär gesinnten Patrioten Graubünden verlassen. Philipp Albert Stapfer berief ihn zum Leiter des helvet. Büros für Nationalkultur. Im Okt. 1798 gründete Z. die Zeitschrift "Aufrichtiger und wohlerfahrener Schweizerbote". 1799 wurde er als Regierungskommissär in den aufständ. Distrikt Stans entsandt, im Sept. 1799 erneut in den Kt. Waldstätten nach Uri und Schwyz sowie 1800 in den Kt. Tessin. Danach war er 1800-01 Regierungsstatthalter des Kt. Basel. Z. übersiedelte 1802 nach Biberstein, wurde 1804 Oberforst- und Bergrat des neuen Kt. Aargau und war 1809-29 Oberforst- und Bergwerkinspektor. 1815-43 sass er im Aargauer Gr. Rat, vermittelte als Grossrat in den Basler Wirren 1831-33, war ein Architekt des aarg. Schulgesetzes von 1835 und vertrat den Aargau an den Tagsatzungen von 1833, 1834 und 1837. Z. gründete 1811 den Verein für vaterländ. Kultur im Kt. Aargau mit, dessen Mitglieder die Errichtung u.a. 1812 einer Ersparniskasse, 1819 des Bürgerl. Lehrvereins, 1826 eines Versicherungsvereins gegen Hagelschaden und 1836 einer Lehr- und Erziehungsanstalt für taubstumme Knaben anregten.

Z. war eine zentrale Figur des Übergangs von der alten Eidgenossenschaft zum Bundesstaat. In der Helvetik profilierte er sich als Vermittler zwischen Volk und helvet. Regierung. Sein "Schweizerbote" (1798-1802, 1804-78) bahnte der Pressefreiheit in der Schweiz den Weg und beeinflusste die kommende liberale Generation. Sein 1822 erstmals erschienenes Werk "Des Schweizerlands Geschichte für das Schweizervolk" prägte das liberale Geschichtsbild, diente als Lehrmittel, gab patriot. Feiern Auftrieb und inspirierte Volkslieder sowie Historiengemälde. Als führender Vertreter einer Volksaufklärung, die Volksbildung als Volksbefreiung verstand, beriet er Volkskalender und schrieb Romane, u.a. zur Branntweinpest und den auf Johann Heinrich Pestalozzis "Lienhard und Gertrud" fussenden Dorfroman "Das Goldmacher-Dorf" (1817). Bei seinem Tod war er einer der meist gelesenen Autoren im dt. Sprachraum.


Archive
– StAAG, Nachlass
Literatur
– C. Günther, Heinrich Z.s Jugend- und Bildungsjahre bis 1798, 1918
– H. Böning, Heinrich Z. und sein Aufrichtiger und wohlerfahrener Schweizerbote, 1983
Heinrich Z., hg. von H. Dainat, 2012
– W. Ort, Heinrich Z. (1771-1848), 2013 (mit Bibl. und Werkverz.)

Autorin/Autor: Ruedi Graf