• <b>Sumiswald (Gemeinde)</b><br>Älplerchilbi auf der Lüderenalp. Fotografie von  Carl Jost,  um 1935 (Staatsarchiv Bern). Dieses traditionelle Schwingfest mit Festmahl und Tanz, dessen älteste Belege aus dem Jahr 1809 stammen, findet alljährlich am zweiten Sonntag im August statt. 1890 wurde auf dem Grenzkamm zwischen den Gemeinden Sumiswald und Langnau im Emmental ein Berggasthaus mit einem Tanzsaal errichtet.

Sumiswald (Gemeinde)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Trachselwald, Verwaltungskreis Emmental. Die ausgedehnte Gem. besteht aus den Dörfern S., Grünen und Wasen, den Weilern Gammenthal und Griesbach sowie aus dem weiten Einzelhof- und Alpgebiet am Napf. 1888-89 fand eine Grenzbereinigung zwischen S., Rüegsau, Affoltern und Lützelflüh durch den Abtausch von Einzelhöfen statt. Die alte Einteilung in Dorf-, Kleinegg-, Schonegg- und Hornbachviertel als ehem. Armensteuer- und polit. Bezirke ist seit den 1960er Jahren nicht mehr üblich. 1225 Smoldeswalt. 1764 3'100 Einw.; 1850 5'564; 1900 5'353; 1950 5'700; 2000 5'307.

Das spät besiedelte, hügelige Gemeindegebiet weist u.a. zwei ma. Wehranlagen unbekannter einheim. Herren auf Bärhegenknübeli, die hochma. Burgstelle Burgbühl, in der man den Stammsitz der Frh. von S. vermutet, und die ehem. Kommende Schloss S. auf. Das Gebiet der heutigen Gem. bildete den Kern der ehem. Freiherrschaft und ab 1225 auch der Herrschaft der Deutschordenskommende. Hochgerichtlich unterstand S. dem Landgericht Ranflüh und ab 1408 der bern. Landvogtei Trachselwald. Die Sumiswalder waren noch 1431 Leibeigene der Kommende mit Schollenzwang und eigenem Erbrecht (1500). Diese hinderte sie schon 1376 daran, bern. Ausburger zu werden. Unter Berner Mediatherrschaft ab 1408 widersetzten sich die Eigenleute anfänglich der Aufforderung, sich von der Leibeigenschaft loszukaufen, da Bern Freie zu Kriegsdienst und Steuern verpflichtete; nach 1525 kam indes die Ablösung der Leibeigenschaft in Gang.

Der Kirchensatz der 1225 erw. Kirche mit Marienpatrozinium lag bei der Kommende, die 1510-12 einen Neubau errichten liess. Mit der Reformation ging die Kollatur an Bern über. Die Gem. übernahm 1529 mit dem Kirchengut den Unterhalt von Kirche und Chor. 1599 errichtete sie eine Stiftung zum Unterhalt ihrer Schule und der Armen, für die sie 1760 ein Armenhaus baute. Seit 1878 ist Wasen eine eigene Kirchgemeinde. 1973 wurde in S. die kath. Kirche St. Mauritius gebaut, die 2008 an die Freie Evang. Gemeinde verkauft wurde.

Talhöfe und Alpen wurden von der Kommende an einzelne Bauern verliehen; ab 1498 sind Verträge überliefert, die den Alpbesitz regelten. Mehrere Bauern schlossen sich zu Alpgemeinden unter einem Alpmeister zusammen. Ausnahme war die ab 1498 mit einem Erbleihevertrag versehene, vom Dorf S. genossenschaftlich betriebene Lüderenalp, wobei die Kuhrechte auf die Höfe verteilt waren. Ab dem 16. Jh. nahm die Rodung zur Gewinnung weiterer Alpen im Zug der Alpkäseproduktion zu; 1572 wurde der Schutz der Hochwälder nötig. Bereits vor 1527 machten sich Arme das beweidete Schachenland zunutze; 1530 bzw. 1539 waren Wasen und Ey teilweise besiedelt, Grünen wurde 1572 als vorstatt von S. bezeichnet und war 1783 ein Dorf mit 22 Häusern. Es gab grosse soziale Unterschiede zwischen reichen Bauern im Dorf-, Schonegg- und Kleineggviertel und armen Handwerkern und Taglöhnern in den Schachen und Gräben, die im 17. und 18. Jh. mit Spinnen und Weben einen Zusatzverdienst erwarben. Im 18. Jh. galt S. als Zentrum für den Garn- und Tuchhandel, die Pferdezucht und den Käseexport. Fünf Gesuche um ein Marktrecht in S. (1704-41, 1774) wurden durch benachbarte Marktorte hintertrieben. Erst 1801 erhielt S. das Recht auf fünf Jahrmärkte.

1798 kam S. als Hauptort zum Distrikt Unteremmental, 1803 zum Oberamt (Amtsbezirk) Trachselwald. Im 19. Jh. expandierten die Taldörfer S., Grünen und Wasen demografisch und wirtschaftlich. Nach dem Rückgang des Textilverlags im 19. Jh. siedelten sich neue Industriezweige an, darunter die Musikinstrumenten- und Pendulenfabrikation. 1820 nahm die Ersparniskasse (ab 1906 Amtsersparniskasse S.), 1859 die Spar- und Leihkasse S. ihre Tätigkeit auf; 2002 schlossen sie sich mit anderen Lokalbanken zur Bernerland Bank AG zusammen. Der Bau der Talstrasse 1875 und der Anschluss an die 1908 eröffnete Bahnlinie Ramsei-Huttwil und die Zweigstrecke S.-Wasen (1915, 1994 Personenverkehr und 2005 Güterverkehr eingestellt) belebte die wirtschaftl. Entwicklung. Zu Beginn des 21. Jh. ist S. ein gewerbl.-industrielles Zentrum mit unterschiedl. Fabrikationszweigen v.a. in S., Wasen und Grünen sowie einer positiven Pendlerbilanz. Die Hofregion ist auf Vieh- und Milchwirtschaft (fünf Käsereien) und Saatgutproduktion spezialisiert. Die Alpen werden zur Viehsömmerung mehrteils genossenschaftlich betrieben. Im Dorf S. konzentrieren sich regionale Institutionen, so die Sekundarschule neben einer zweiten in Wasen sowie ein Alterszentrum, das ein Pflegeheim im ehem. Bezirksspital (1878), ein Altersheim (1984) und das Pflegeheim im Schloss umfasst.

<b>Sumiswald (Gemeinde)</b><br>Älplerchilbi auf der Lüderenalp. Fotografie von  Carl Jost,  um 1935 (Staatsarchiv Bern).<BR/>Dieses traditionelle Schwingfest mit Festmahl und Tanz, dessen älteste Belege aus dem Jahr 1809 stammen, findet alljährlich am zweiten Sonntag im August statt. 1890 wurde auf dem Grenzkamm zwischen den Gemeinden Sumiswald und Langnau im Emmental ein Berggasthaus mit einem Tanzsaal errichtet.<BR/><BR/>
Älplerchilbi auf der Lüderenalp. Fotografie von Carl Jost, um 1935 (Staatsarchiv Bern).
(...)


Quellen
SSRQ BE II/8
Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
– F. Häusler, Die alten Dorfmärkte des Emmentals, 1986
– A.-M. Dubler, «Die Schachenleute im Emmental», in Burgdorfer Jb. 64, 1997, 9-54
– R. Hug, Bauinventar der Gem. S., 2 Bde., 1999
S., 2006

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler