23/06/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Affoltern im Emmental

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Trachselwald. Die Gem. umfasst die Siedlung A. (1261/63 Affolterra), die Weiler Eggerdingen, Häusernmoos-Waltrigen, Heiligenland, Kirchbühl und Weier-Schweikhof. 1888/89 kam das Eggviertel von Rüegsau an A., sechs Höfe wurden an Rüegsau und Sumiswald abgetreten. 1764 758 Einw.; 1850 1'140; 1900 1'1421950 1'237; 2000 1'212.

Das hügelige Einzelhofgebiet wurde spät besiedelt. Eine nachweisbare Wehranlage auf der Lueg wird in älterer Literatur dem MA zugewiesen. Der Standort der ehem. Kapelle im Heiligenland ist unbekannt. Die Kirche (1275 erw., Michaelspatrozinium) steht in A. unweit der Burgruine der einheim. Frh. von Affoltern. Das Patronatsrecht gelangte 1353/57 an die Deutschordenskommende Sumiswald, welche 1484 auf Klage der Bevölkerung eine Pfründe für einen ständigen Ortspfarrer aussetzte. Nach der Reformation blieb das Patronatsrecht mit kurzem Unterbruch (1528-52) bis zum Verkauf an Bern (1698) beim Orden. Bern erwarb 1408 das Hochgericht und vor 1431 das um Teile von neun benachbarten Kirchgem. vergrösserte Niedergericht und unterstellte dieses der Landvogtei Trachselwald. Von 1431 an gehörte A. auch zum Ausburgerbez. von Burgdorf. Die kommunalen Geschäfte, v.a. die Armenpflege, nahm die Gem. der Kirchgenossen wahr. Die zahlreichen Hintersassen (1764 30% der Einw.) dienten den Hofbauern als saisonale Arbeitskräfte. Feldgrasbau verdrängte im 18. Jh. Reste alter Flurgemeinschaften; 1725 wurde die Allmend Eggerdingen geteilt. Eine Käseexportfirma des Pionierbauern Sommer bestand 1764-1869. Erst 1844 wurde eine Käsereigenossenschaft gegr. Im 19. Jh. entstand die polit. Gem. auf der Basis der Kirchgem.; der grössere Bez. des Niedergerichts wurde aufgegeben. Die ungünstige Verkehrslage (Ausbau der Strasse, aber erst 1908 Anschluss an die Ramsei-Huttwil-Bahn) bewirkte die Abwanderung der Käseexporteure, erhielt der Gem. indes die landwirtschaftl.-gewerbl. Struktur (bäuerl. Mittelbetriebe, Grossmetzgerei 1929-81, Käsereizentrum mit Schaukäserei 1990) mit 33% Arbeitsplätzen im 1. Sektor und nur 34% Wegpendlern (1990).


Quellen
SSRQ BE II/8
Literatur
– A. Leibundgut-Mosimann, A., 1973
– A.G. Roth, Um den Pöli über Heiligland, 1998

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler