13/12/2007 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Hilterfingen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Thun, am rechten unteren Ende des Thunersees gelegen, vom Ufer (560 m) zur Haltenegg (800 m) ansteigend mit den ehem. Siedlungskernen Dorf H. und Hünibach, das 1958 von der Gem. Heiligenschwendi durch Vertrag an die Gem. H. abgetreten wurde. 1175 Hiltolfingen. 1764 319 Einw.; 1850 509; 1900 854; 1920 953; 1930 1'097; 1950 2'864 (Hünibach 369); 1960 3'382; 2000 3'821. Frühbronzezeitl. Gräber mit Beigaben im Areal der Hünegg (Frauengräber) und im Äbnit (Männergräber), frühma. Gräberfelder aus dem 6.-7. Jh. bei den Schlossbauten Eichbühl und Hünegg, eventuell ma. Skelettgrab im Bächihölzli. Der Ort gehörte zur Oberländer Herrschaft der Frh. von Oberhofen, die H. Ende des 12. Jh. dem Stift Amsoldingen übergaben. Die Grund- und Gerichtsherrschaft verwaltete ein einheim. Ammann im Auftrag des Stifts. Nach dem Übergang an Bern 1488 kam H. zum bern. Amt Thun, 1652 an die neu geschaffene Vogtei Oberhofen, 1798 zum Kt. Oberland und 1803 wieder zum Oberamt Thun. Die ehem. Andreaskirche H. liegt an der Gemeindegrenze auf Oberhofener Boden. Sie ist laut der "Strättliger Chronik" eine der zwölf Thunerseekirchen. Dem heutigen Bau von 1727 gingen vier Kirchen voraus, die erste stammt aus dem 7./8. Jh. Der Kirchensatz, eine Schenkung des Libo von Oberhofen an das Stift Amsoldingen, fiel nach langem Streit an das Kloster Interlaken, 1424 an die Inhaber der Privatherrschaft Oberhofen und mit dieser 1652 an Bern. Die Kirchgem. H., bestehend aus H., Oberhofen und Heiligenschwendi, umfasste ehemals auch den Weiler Ringoldswil (seit 1870 Kirchgem. Sigriswil) und die Gem. Teuffenthal (seit 1936 Kirchgem. Buchen).

H.s Landwirtschaft war von Reb- (1800 ca. 20 ha) und Obstbau geprägt, daneben gab es Fischerei. Getreidebau betrieben die Bauern in Strättligen jenseits des Sees. 1858 erwarb die Gem. im Simmental drei Alpen (heute verpachtet). In den 1880er Jahren begann sich H. zu wandeln. Mit dem Verschwinden des Rebbaus richtete es sich auf die Hotellerie aus: Pensionen und Hotels wurden ab 1894 erbaut, die erste Schiffsstation entstand 1925, die erste schweiz. Segelschule 1935. Nachhaltiger war die Entwicklung zur Wohngemeinde mit Ausrichtung auf Thun und Bern als Arbeitsorte: Mit dem steten Bevölkerungszuwachs v.a. zwischen 1950 und 1970 wurde die Uferregion bis auf 600 m Höhe fast zusammenhängend überbaut. Die Gem., in der sich Gewerbe angesiedelt hatte (Bauunternehmen, Holz- und Metallbau, Druckereien, Gartenbau, Samenzucht), verzeichnete 2000 einen Wegpendleranteil von mehr als zwei Dritteln der erwerbstätigen Bevölkerung. Die 1895 eröffnete Sekundarschule fusionierte 1917 mit jener in Oberhofen. In Hünibach besteht seit 1968 ein eigenes Sekundarschulhaus; dort befindet sich auch eine Gärtnerinnenschule (Stiftung 1933). Auf dem vom Schultheissen Niklaus Friedrich von Mülinen nach 1807 erbauten neogot. Landsitz Chartreuse wurde 1811 die Schweiz. Geschichtforschende Gesellschaft gegründet, deren erster Präsident von Mülinen war. Nach mehreren Besitzerwechseln und Umbauten wurde das Anwesen schliesslich überbaut. Das Schloss Eichbühl (1860) wird seit 1942 als Schulhaus genutzt, das Schloss Hünegg (1861-63) beherbergt heute ein Museum für Wohnkultur.


Literatur
– F. Häsler, H. und Hünibach in Vergangenheit und Gegenwart, 1985
– H. von Fischer, Schloss Hünegg, 2002
– R. Ganz, H. und Hünibach, 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler