Nürensdorf

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Haufendorf (vor 1700 Strassendorf) am südwestl. Hang des Plateaus von Brütten, mit den Ortsteilen N., Birchwil (um 1155 Byrchenwilare), Breite und Oberwil, den Weilern Hakab, Breitenloo, Chlihus und bis 1931 auch Baltenswil (polit. Gem. Bassersdorf) sowie ab 1869 mit dem Breitehof. Um 1150 Noelistorf, 1277 Nueristorf. 1467 ca. 145 Einw.; 1634 409; 1799 832; 1850 1'114; 1900 1'068; 1941 760 (ohne Baltenswil); 1950 777; 1960 906; 1970 2'012; 2000 4'475. Zwei röm. Stützpunkte mit sichtbaren Wällen (sog. Heidenburgen) vermutlich zur Sicherung der ehem. Strasse Kloten-Oberwinterthur, frühma. Gräber in Verbindung mit dem Flurnamen Lebern. Hochgerichtlich gehörte N. zur habsburg. Grafschaft Kyburg, 1452-1798 zur Zürcher Landvogtei Kyburg. Das Niedergericht von N. (Dorf ohne die Fraktionen) lag um 1300 in den Händen der Stadtzürcher Fam. Biber, 1448 der Meiss, 1646 der Reinhard und 1735-1798 der Hess. Kirchlich gehörte N. im MA zur Pfarrei Kloten, ab der Reformation zu Bassersdorf. 1448 erhielt das Dorf eine Offnung, 1570 einen Einzugsbrief. 1474 ist der Gasthof Schwarzer Bären erwähnt. 1760 liess der Gerichtsherr Salomon Hess nach Plänen von David Morf das sog. Schloss erbauen. In der Helvetik kam N. zum Distrikt Bassersdorf und wurde 1806 mit den umliegenden Weilern zur polit. Gemeinde vereinigt. Die Zivilgem. N. existierte bis 1974. Zwischen 1681 und 1935 verzeichnete N. einen Rückgang der Ackerfläche zugunsten des Wiesenbaus von 204 auf 61 ha. Die Zahl der Parzellen pro Betrieb sank von 23 (1801) auf 13. Die durchschnittl. Betriebsgrösse ging von 4,5 auf 2,6 ha zurück. Dagegen vergrösserten und arrondierten die reicheren Bauern auf den Aussenhöfen ihre Betriebe auf Kosten der Dorfflur. Die neue Strassenführung Zürich-Winterthur 1843 über Tagelswangen und Kemptthal statt über N. hemmte die gewerbl. Entwicklung. 1839-1902 wurde eine Bierbrauerei betrieben, bis 1889 eine Blauleinenfärberei und bis 1895 eine Ölpresse. Ab 1963 wurde N. vom Autobus Winterthur-Kloten-Flughafen bedient. Ab den 1960er Jahren überbaute die Gem. im Sog der Agglomeration Zürich zunächst die Südhänge mit Einfamilienhäusern. Seit Ende der 1980er Jahre verdichtete sie ihre Siedlungsweise innerhalb der Ortskerne.


Literatur
– E. Winkler «Siedlungsaufnahme N.», in SAVk 36, 1937, 133-153
– B. Müller, Gem. N., 1989
Rund ums Zythüsli: Bilder und Geschichten aus der Gem. N., 2001

Autorin/Autor: Martin Illi