Schangnau

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Signau, Verwaltungskreis Emmental. Die höchstgelegene Emmentaler Gem. im Quellgebiet der Emme ist eine Streusiedlung mit dem Kern S. (933 m), dem Weiler Wald sowie Höfen im Tal und Bumbach. 1306 Schoengowe. 1764 645 Einw.; 1850 1'074; 1900 990; 1950 1'099; 2000 910. Die kyburg. Ministerialen von Sumiswald verkauften 1363-89 ihren Besitz in S. Niedergericht, Hochwald und Jagdrechte erwarb der einheim. Jost zum Wald, von dessen Nachkommen sie 1420 an Bern (Landvogtei Trachselwald) übergingen. Im Streit um die bern.-luzern. Landesgrenze beanspruchten beide Städte das Hochgericht über S.; im Grenzvertrag von 1470 kam S. definitiv an Bern. Kirchlich gehörte S. mit Marbach zu Trub; 1524 erfolgte die Gründung der Pfarrei Marbach-S. Nach der Reformation 1536 wurde eine Kirche in S. (Neubau 1618) errichtet, das 1594 selbstständige Kirchgemeinde wurde. Die Alpwirtschaft ist früh belegt (1281 Bubenalp). Im 15. Jh. wurden neue Alpen durch weitgehende Rodung des Hochwalds gewonnen; diese gingen mit dem Erfolg der Käserei sukzessive in den Besitz bern. Patrizier über, die sie an Küher verpachteten. Die Talgüter waren auf Heuproduktion zur Überwinterung der Herden spezialisiert; die Holzflösserei bot zusätzl. Verdienstmöglichkeiten. Nach dem 1. Villmergerkrieg erlaubte Bern 1656 einen Markt als Gegengewicht zu demjenigen in Escholzmatt. Die Glasmanufaktur (Konzession 1720) stand im Schatten jener des Entlebuchs. 1798 kam S. zum helvet. Distrikt Oberemmental, 1803 zum Amt Signau. Im 19. Jh. wurde das abgelegene Tal verkehrsmässig durch den Bau der Strassen nach Wiggen, Eggiwil (1876-78) und über den Schallenberg besser erschlossen; die Verbindung zur Station der Bern-Luzern-Bahn (1875) gewährleisteten ab den 1920er Jahren Postautokurse. 1897 wurde die Landwirtschaftl. Genossenschaft Wiggen-Marbach-S. gegründet. Viehzucht und Milchwirtschaft behielten den Vorrang; 2005 stellte der 1. Sektor gut 53%, der 2. knapp 14% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. Mehrere Wirtshäuser - u.a. der 1835 eröffnete Gasthof Kemmeribodenbad am Fuss des Hohgants -, Käsereien sowie das Skigebiet Bumbach profitieren vom Ausflugstourismus.


Quellen
SSRQ BE II/8, 1991
Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
– F. Häusler, Die alten Dorfmärkte des Emmentals, 1986
– A. Dubler, F. Häusler, Aus der Gesch. des Grenzraumes Emmental-Entlebuch, 1992
– K. Zaugg, Bauinventar der Gem. S., 2005

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler