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Rüderswil

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Signau, Verwaltungskreis Emmental, welche das Terrassendorf R. am linken Emmenufer, die Gewerbesiedlung Rüderswilschachen, Teile der Dörfer Schwanden im Emmental, Ranflüh und Zollbrück sowie Einzelhöfe und Weiler beidseits der Emme umfasst. R. trat 1889 das Wittenbachviertel an Lauperswil und 1894 Häleschwand an Signau ab. 1139 Rüderswile. 1764 1'171 Einw.; 1850 2'533; 1900 2'370; 1950 2'328; 2000 2'258. Drei hochma. Burgstellen (Erdwerke auf dem Zwingherrenhoger und bei Toggelbrunnen, Holzburg bei Schwanden) dienten vielleicht einheim. Herren - 1146 wird Adalbert von R. erwähnt - als Sitz. R. unterstand im SpätMA dem Land- und Niedergericht Ranflüh bzw. ab 1408 der bern. Landvogtei Trachselwald. Grundherrl. Gütergerichte zu R. gehörten dem Dt. Orden und der Herrschaft Wartenstein (vor 1569 den Bauern geschenkt). Die Kirche ist 1275 bezeugt (Turm 2. Hälfte des 14., Anfang des 15. Jh.; spätgot. Chor; Schiff von 1931). Der Kirchensatz war 1319 im Besitz Johann von Friesenbergs und kam 1350 als Schenkung an das Deutschordenshaus Bern und über das aus diesem geschaffene Chorherrenstift 1528 an Bern. Das Zelgdorf mit Allmenden grenzte 1426 und 1427 seine Rechte in Wald und Weide gegenüber den Einzelhöfen ab, wandte sich aber im 16. Jh. ebenfalls dem Feldgrasbau zu. 1563 wurde die Allmend geteilt, 1569 die interkommunal genutzten Gemeinweiden im Schachen aufgehoben. Nachdem dort spätestens 1632 eine Armeleutesiedlung entstanden war, wurde der Schachen 1712-24 aufgeteilt. Im 18. Jh. verbreitete sich die Leinwandheimindustrie. 1803 wurde die Gem. dem Amtsbez. Signau zugewiesen. Im 19. Jh. siedelten sich im Dorf eine Krämerei sowie eine Käserei (1853) und im Schachen eine Spinnerei (1869) an. Nach dem Bau der Emmentalbahn 1881 und der Talstrasse 1899 am rechten Ufer verlagerte sich Gewerbe dorthin, während das linksufrige Gemeindegebiet bis zur Anlage der Wohn- und Kleingewerbezone im Rüderswilschachen in den 1970er Jahren landwirtschaflich geprägt blieb. 2005 stellte der 1. Sektor noch gut 42%, der 2. 25% der Arbeitsplätze in der Gemeinde. 2009 scheiterte die Fusion der Gem. R. und Lauperswil an der Ablehnung der Lauperswiler Stimmbürger.


Quellen
SSRQ BE II/8
Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern, 2 Bde., 1958-68
– R. Berger, Der Amtsbez. Signau, 1991
– A. Dubler, «Die Schachenleute im Emmental», in Burgdorfer Jb. 64, 1997, 9-54
– K. Zaugg, Bauinventar der Gem. R., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler