• <b>Franz Xaver Keller</b><br>Porträt von  L. Zemp,   um 1810.  Lithografiert von Bernard Egli in Luzern, um 1830 (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 29

Keller, Franz Xaver

geboren 12.10.1772 Luzern, gestorben 12.9.1816 Luzern, kath., von Luzern. Sohn des Karl Martin, Stadtschreibers, und der Maria Salesia Krus. ∞ 1793 Maria Josepha Adelheid Hoffmann von Leuchtenstern, Tochter des Marzell, von Rorschach. Stud. an der Höheren Lehranstalt in Luzern und Auslandreisen u.a. nach Rom. 1789-97 Landschreiber in Locarno; 1793-95 im Luzerner Gr. Rat und Kriegsratsschreiber, 1795-98 Kleinrat, 1797-98 Landvogt zu Beromünster. 1800-01 und 1802 war er als Nachfolger von Vinzenz Rüttimann helvet. Regierungsstatthalter des Kt. Luzern. 1802 nahm er als Abgeordneter an der Consulta in Paris teil. Wieder in Luzern wurde er 1803 Mitglied der Regierungskommission (Übergangsregierung), Grossrat und gleichzeitig Vizepräsident des Appellationsgerichts (bis 1814), 1808-14 Präs. des Verwaltungsrats (städt. Exekutive). Im 18. Jh. noch zu den fortschrittl. Kreisen gehörend (ab 1796 Mitglied der Helvet. Gesellschaft), war er später neben Vinzenz Rüttimann und Franz Bernhard Meyer einer der Führer der aristokrat. Reaktion. Nach dem Staatsstreich von 1814 wurde er Schultheiss. Staatskirchlich und nun wieder liberalen Positionen zuneigend wurde er zum Gegenspieler Rüttimanns. K. ertrank 1816 in der Reuss. Sein Tod wurde 1825-26 erneut gerichtlich untersucht, nachdem Klara Wendel 1825 im sog. Gaunerprozess ausgesagt hatte, dass K. auf Anstiftung von kirchenfreundl. Kreisen ermordet worden sei. In einem Aufsehen erregenden Prozess konnte dies jedoch nicht bestätigt werden und die beschuldigten Ratsherren Michael Leodegar Corragioni und Joseph Pfyffer von Heidegg wurden freigesprochen.

<b>Franz Xaver Keller</b><br>Porträt von  L. Zemp,   um 1810.  Lithografiert von Bernard Egli in Luzern, um 1830 (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Porträt von L. Zemp, um 1810. Lithografiert von Bernard Egli in Luzern, um 1830 (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Quellen
– H. Escher, Geschichtl. Darstellung und Prüfung der über die denunzirte Ermordung Herrn Schultheiss K. sel. von Luzern verführten Kriminal-Prozedur, 1826
Literatur
– K. Pfyffer, Gesch. der Stadt und des Kt. Luzern 2, 1852
– B. Baur, Vom "Gaunerunwesen" zur "Heimatlosenfrage", Liz. Basel, 1990
– P. Bernet, Der Kt. Luzern z.Z. der Helvetik, 1993
– H. Bossard-Borner, Im Bann der Revolution, 1998

Autorin/Autor: Markus Lischer