05/01/2012 | Rückmeldung | PDF | drucken

Röthenbach im Emmental

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Signau, Verwaltungskreis Emmental. Die ausgedehnte Gem. im Tal des Röthenbachs umfasst den Kern R. mit der Pfarrkirche, die Weiler Ober- und Niederei, Einzelhöfe sowie Alpen (ehemals bis auf die heute bewaldete Honegg auf 1'546 m). Die Gem. ist in neun Güter (polit. Kreise) eingeteilt, von denen jedes einen Gemeinderat stellt. 1148 Rochembac. 1764 909 Einw.; 1850 1'701; 1900 1'525; 1950 1'451; 2000 1'262.

1 - Cluniazenserpriorat, Gemeinde

Das Cluniazenserpriorat R. prägte die Anfänge der Gem. R. Die Zelle, die vor 1148 durch die Herrschaft Signau oder das Priorat Rüeggisberg gegründet worden war, unterstand dem Priorat Rüeggisberg und bestand aus einem Rüeggisberger Mönch (Prior). Die Herrschaft R. umfasste das heutige Gemeindegebiet (um 1404, 1512 Grenzbeschreibungen) ohne Nieder- und Oberei, die noch 1356 zum Kirchspiel Steffisburg gehörten, sowie die Hochwälder der Honegg, die im Besitz von Kyburg-Thun, ab 1323 bzw. 1384 von Bern waren. Der Prior wirkte als Grund-, Gerichts- und Leibherr (Herrschaftsrecht von 1357). Sein Niedergericht war zugleich grundherrl. Lehengericht (Urkunden von 1428, 1440). Dem Prior oblag die Seelsorge in R., im SpätMA der Gottesdienst in der Pfarrkirche Würzbrunnen auf der Höhe über R., die 1275 erstmals bezeugt ist (Stephanspatrozinium) und 1494 nach einem Brand neu errichtet wurde, sowie in der Klosterkirche im Tal. Letztere wird 1148 erwähnt (Marienpatrozinium) und zwischen 1540 und 1558 abgebrochen; der heutige Bau stammt von 1905. Die Gotteshausleute beklagten u.a. die ungenügende seelsorger. Betreuung und den Anteil am Kirchenopfer der Wallfahrtskirche Würzbrunnen, während der Prior sich über die Frondienst- und Zehntverweigerung der Untertanen beschwerte. 1484 wurde das Priorat R. mit dem übergeordneten Rüeggisberg dem Chorherrenstift St. Vinzenz in Bern inkorporiert. Nach der Reformation ging der säkularisierte Klosterbesitz in R. laut einem Pfrundurbar von 1544 an die Pfarrpfründe über.

Die fünf Höfe R., Riffersegg, Martisegg, Rüegsegg und Fambach besassen gemeinsame Weiden, die nach dem Streit mit Eggiwil 1427 abgegrenzt und 1534 auf die Höfe verteilt wurden. Durch Hochwaldrodungen unter Bern entstanden die späteren patriz. Alpbetriebe (1525, 1595 Lehenbriefe). Die Talwirtschaft war v.a. auf Viehwirtschaft, Heuproduktion (für Küherherden) und Holzflösserei ausgerichtet. Die Gem. regelte u.a. 1562 und 1680 im sog. Landrecht den Zuzug Fremder und die obligator. Vertretung der Höfe (Güter) an der Gemeindeversammlung (Gemeindeordnung von 1739). Die Alp- und Holzwirtschaft führte zu einer massiven Waldrodung und Hochwassern, so 1837 anlässlich der Wassernot im Emmental. Nach 1850 wurde die Honegg stark aufgeforstet. Zur selben Zeit löste die Tal- die Alpkäserei ab und z.T. wurden Alp- in Ganzjahresbetriebe umgewandelt. Mit den Strassen nach Schüpbach (1830) sowie nach Steffisburg, Schangnau und über den Schallenbergpass (1896-1900) verbesserte sich die Verkehrserschliessung. Zu Beginn des 21. Jh. prägten Vieh- und Milchwirtschaft mit Alpsömmerung, Holzverarbeitung sowie Ausflugstourismus den Charakter von R.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Amt

Bern schuf nach dem ersten Kauf der Herrschaft Signau 1399 das sog. Amt R. mit R., Eggiwil (Hoch- und Niedergericht) und vermutlich bereits Kurzenberg und Buchholterberg (nur Niedergericht). In der Grundherrschaft - die fünf Höfe bildeten die innere March - galt das Niedergericht des Priors nur über die Gotteshausleute, für die äussere March (Eggiwil und Nichtgotteshausleute) war das Gericht des bern. Vogts zuständig. Nach dem endgültigen Kauf der Herrschaft Signau 1529 fügte Bern das Amt R. als drittes Niedergericht zur Landvogtei Signau, nun auch mit Nieder- und Oberei als Teil der inneren March (1547 unterschiedl. Bussen vermerkt). 1803 blieben R. und Eggiwil beim Amtsbez. Signau, während Buchholterberg und Kurzenberg zum Amtsbez. Konolfingen kamen, dessen Hochgericht sie schon vorher unterstellt gewesen waren.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Quellen
SSRQ BE II/8
Literatur
– F. Häusler, Das Emmental im Staate Bern bis 1798, 2 Bde., 1958-68
Der Amtsbez. Signau, 1991
HS III/2, 695-706
– S. Brenner, Bauinventar der Gem. R., Amtsbez. Signau, 1993

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler