Zimmerwald

Ehemalige politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Seftigen, Verwaltungskreis Bern-Mittelland, die 2004 mit Englisberg zur neuen Gemeinde Wald (BE) fusionierte. Streusiedlung auf dem Plateau des Längenbergs mit dem Dorf Z., mehreren Weilern, u.a. Obermuhlern, Niederhüseren, Egg und Winzenried, sowie Einzelhöfen. 1296 Zymmerwalt, offizieller Name bis 1902 Obermuhlern und Zimmerwald (wie der Gerichtsbezirk). 1764 484 Einw.; 1850 810; 1900 648; 1950 697; 2000 885. Neolith. Funde wurden im Äppenacker, röm. Funde bei Uf der Mur und in der Weiermatt gemacht. Im Heggacker wurde ein ehem. Kalkbrennofen entdeckt. Höfe und Rechte kamen ab Ende des 13. Jh. sukzessiv an Bernburger, so 1297 an die von Bubenberg, später die von Egerden, von Isenhut und von Trimstein, und an geistl. Institutionen wie die Propstei Interlaken, die Kommenden Münchenbuchsee und Köniz sowie an das Obere Spital Bern. Deren Gerichtsrechte fielen in der Reformation an Bern, das nach 1528 den Gerichtsbezirk Obermuhlern und Z. vom bern. Gerichtsschreiber des Stadtgerichts Bern verwalten liess. Militärisch gehörte Z. zum Landgericht Seftigen, kirchlich bis 1697 zu Belp, danach mit Niedermuhlern und Englisberg zur Kirchgemeinde Z. Die Kirche wurde 1697-99 gebaut. Z. ist durch die Postautolinie Bern-Riggisberg erschlossen. Schon vor der Gemeindefusion bestand zwischen Z. und Englisberg im Schulverband Wald und in der Gemeindeverwaltung eine Zusammenarbeit. Im Park des 1641 von der Bernburgerfamilie von Werdt erbauten Jagdschlösschens wurde 1860 die Pension Beau Séjour errichtet (Bau abgetragen), in der 1915 die Konferenz von Z. mit Lenin und Leo Trotzki stattfand. Das astronom. Institut der Univ. Bern betreibt beim Weiler Waldhof seit 1956 eine Sternwarte und seit 1988 eine Satelliten-Beobachtungsstation. Das zu Beginn des 21. Jh. noch bäuerl. Z. mit Kleingewerbe im Dorf wuchs nach 1970 durch den Bau neuer Quartiere.


Literatur
– W. Steiner, Die Kirche von Z., 1987
– F. Brönnimann, Wie entstand unsere Gem.?, 2 Bde., [1988-89]
– F. Brönnimann et al., Bauinventar der Gem. Z., 1996
– F. Brönnimann, 700 Jahre Z., 1996

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler