• <b>Uttigen</b><br>Die Burgruine Uttigen von Süden mit einer Teilansicht des Dorfs. Aquarell von  Albrecht Kauw,   um 1670 (Bernisches Historisches Museum). Im dargestellten Dorfteil überwiegen Ständerbauten über gemauerten Sockeln. Die Dächer sind mit Ziegeln oder Schindeln bedeckt. Das Dorf ist von einem geflochtenen Zaun umgeben, dem Etter, der eine Friedens- und Rechtsgrenze symbolisiert. Dorf und Ruine liegen an dem noch unkorrigierten, breit mäandrierenden Aarelauf.

Uttigen

Politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Seftigen, Verwaltungskreis Thun, seit 2014 mit Kienersrüti. Dorf am linken Aareufer unterhalb der Stadt Thun. 894 Utingun. 1764 173 Einw.; 1850 321; 1900 407; 1950 789; 2000 1'574. Zu den Bodenfunden gehören ein zeitlich unbestimmbarer Grabhügel im Wartholz, frühma. Gräber in der Kiesgrube und Reste einer vielleicht röm. Villa beim Uttiggut.

1 - Burg und Herrschaft

Im 13. Jh. entstand auf dem Felsplateau über der Aare die Burg U. als Sperrriegel im Saum- und Flussverkehr zwischen Unter- und Oberland. Die ausgedehnte, städtchenartige Anlage mit hoher Umfassungsmauer und fast quadrat. Bergfried war eine der grössten Festungen im Gebiet des heutigen Kt. Bern. 1271 war sie im Besitz der Frh. von Wädenswil, die ab 1240 als Vögte von Unspunnen auch die Herrschaften Frutigen und Mülinen besassen. Zur Burg gehörte die kleine Grund- und Gerichtsherrschaft U. und die 1285 erw. Kirche, eine der zwölf in der Strättliger Chronik genannten Thunerseekirchen. Die Erben der Wädenswil, die Frh. von Kramburg, verlegten Anfang des 14. Jh. ihren Sitz nach U., das um 1355 erbweise an Heinrich von Resti überging. Im 15. Jh. besassen die Ratsfamilien von Speichingen in Thun und Michel von Schwertschwendi in Burgdorf U. gemeinsam. Von deren Erben kam es zwischen 1476 und 1521 durch Schenkung bzw. Kauf an das Thuner Spital. Die Thuner Spitalverwaltung legte nach 1521 ihre Herrschaften U. und Uetendorf zu einer einzigen Verwaltung mit Uetendorf als Gerichtsort zusammen. Hochgerichtlich unterstand U. dem Landgericht Seftigen und ab 1783 dem Amt Thun. 1803 kam es zum Oberamt bzw. Amtsbezirk Seftigen. Die Burg wurde dem Zerfall überlassen.

<b>Uttigen</b><br>Die Burgruine Uttigen von Süden mit einer Teilansicht des Dorfs. Aquarell von  Albrecht Kauw,   um 1670 (Bernisches Historisches Museum).<BR/>Im dargestellten Dorfteil überwiegen Ständerbauten über gemauerten Sockeln. Die Dächer sind mit Ziegeln oder Schindeln bedeckt. Das Dorf ist von einem geflochtenen Zaun umgeben, dem Etter, der eine Friedens- und Rechtsgrenze symbolisiert. Dorf und Ruine liegen an dem noch unkorrigierten, breit mäandrierenden Aarelauf.<BR/>
Die Burgruine Uttigen von Süden mit einer Teilansicht des Dorfs. Aquarell von Albrecht Kauw, um 1670 (Bernisches Historisches Museum).
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Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Gemeinde

1536, wahrscheinlich nach einem Kirchenbrand, zog das Spital Thun die für einen Pfarrer mit Fam. als zu klein erachtete Kirchenpfründe an sich und veranlasste die Umteilung von U. an die Kirchgemeinde Kirchdorf. Die Bevölkerung wehrte sich dagegen bis zum Vertrag von 1579, in dem ihr u.a. die Beibehaltung des Kirchhofs als Begräbnisstätte zugestanden wurde. Das unter den Überflutungen durch den Glütschbach und die Aare leidende Ackerbauerndorf erlebte mit der 1859 eröffneten Station der Bern-Thun-Bahn, der Aare- und Zulgkorrektion der 1860er Jahre und von 1884 einen ersten Aufschwung. Nach dem Anschluss an die nahe A6 wurde ab 1970 rege gebaut, in den 1990er Jahren auch mitten im Dorf. Zu Beginn des 21. Jh. gehörte U. zur Agglomeration Thun. 2005 stellte die Landwirtschaft immerhin noch 12% der Arbeitsplätze in der Gem., Industrie und Gewerbe 45%. U. verfügt über eine Primar- und Realschule, die Sekundarschule wird in Uetendorf besucht.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Quellen
SSRQ BE II/11
Literatur
– U. Boos, E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. U., 1999
– A.-M. Dubler, «Die Region Thun-Oberhofen auf ihrem Weg in den bern. Staat (1384-1803)», in BZGH 66, 2004, 61-117

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler