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Toffen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Seftigen, Verwaltungskreis Thun. Die im Gürbetal gelegene Gem. umfasst das Dorf T. sowie die Weiler Breitloon am Osthang des Längenbergs und Heitere am Fuss des Belpbergs. 1148 Toffen. 1764 333 Einw.; 1850 691; 1880 746; 1900 667; 1950 820; 1980 1'645; 2000 2'223. Bronzezeitl. Skelettgrab mit Waffen nördlich des Schlosses, Funde aus der Römerzeit, darunter Reste eines Gutshofs im Bodenacker, Münzen im Zelgi sowie Leistenziegel und Keramik in der ehem. Tuffgrube. Tuffstein wurde schon in röm. Zeit abgebaut, wie der Ortsname (von lat. tofus = Tuffstein) belegt; der Tuffabbau wurde 1983 eingestellt. T. erscheint im 13. Jh. als Twingherrschaft der Frh. von Belp-Montenach; nach 1300 wechselten die Besitzer - u.a. die Herren von Bremgarten, von Gisenstein und Senn von Münsingen - öfter. Ab der Mitte des 14. Jh. folgten Berner Burgerfamilien wie die Käsli (bezeugt 1355), die May (1507-1608) sowie die von Werdt und deren Erben (ab 1642). Mittelpunkt der Twingherrschaft im bern. Landgericht Seftigen war die 1306 erw. Burg, die unter Bartholomäus May nach 1507 zum spätgot. Landsitz erweitert und unter Loy Knoblauch nach 1628 im Innern ausgeschmückt wurde; im 17.-18. Jh. erfolgte der Ausbau zum barocken Schloss unter Johann Georg (1671-73) und Georg Samuel von Werdt (um 1750). 1798 verloren die Inhaber ihre Herrschaftsrechte. Schloss und Schlossgut sind in Privatbesitz. Die Äcker der bäuerl. Siedlungen lagen am Hang; der versumpfte Talboden mit der mäandrierenden Gürbe diente als Weide und Pflanzland (Kohlbau). Die Gürbekorrektion (1855-1911) und die Gesamtmelioration (1919-22) brachten Landgewinn, verursachten aber auch enorme Kosten für Gem. und Landwirte. Nach der Inbetriebnahme der Gürbetalbahn ab 1901 entstand um die Bahnstation das erste Wohnquartier im Talboden mit Post, Restaurant und Schulhaus. Dank guter Erreichbarkeit geriet T. nach 1960 in den Sog der Stadt Bern und zählt seit 1980 zur Agglomeration. Mit den Zuzügern setzte die Bautätigkeit längs der Hangstrassen und der Bahnlinie ein. Neben Landwirtschaft mit Acker- und Gemüsebau sowie Milchwirtschaft kam nun auch Kleingewerbe dazu. 2000 arbeiteten 80% der Erwerbstätigen ausserhalb der Gem., v.a. im Raum Bern.


Literatur
– O. Berner, T., 1990
T. im Gürbetal, 22002
– E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. T., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler