Seftigen (Gemeinde)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. S., Verwaltungskreis Thun. Gem. und Dorf in der Drumlin-Landschaft zwischen Aare- und oberem Gürbetal. 1277 Seftingen. 1764 346 Einw.; 1850 676; 1900 603; 1950 956; 2000 2'076. Reste eines röm. Gutshofs mit Hypokaust und Sodbrunnen in der Räbzälg, frühma. Gräber im Leimeried. Der Ort war im SpätMA Teil der Herrschaft Burgistein. Unter den Erben des aus Freiburg stammenden Ludwig von S. löste sich S. im 15. Jh. als Gerichtsbezirk ab; die eine Hälfte blieb bei Bernburgerfam. (Seftinger, von Büren), die andere kam im 15. Jh. an das Obere Spital in Bern und unter Jakob von Wattenwyl 1523 wieder an die Herrschaft Burgistein. Das Niedergericht S. wurde danach bis 1798 alternierend vom Herrn auf Burgistein und der Fam. von Büren verwaltet. 1388-1798 schöpfte S. seine Bedeutung aus dem gleichnamigen Landgericht, dessen Hauptort es war. Ursprünglich nach Kirchdorf pfarrgenössig, betrieb S. 1664 seine Umteilung an die näher gelegene Kirche Gurzelen. Der einst bäuerl.-kleingewerbl. Ort machte nach dem Bau der Gürbetalbahn (1901-02 Stationen Burgistein und S.) einen ersten Entwicklungssprung; ein zweiter setzte Ende der 1960er Jahre mit dem Bau von Neuquartieren im Gebiet Zälg, Berg und Allmend ein. Verdienstmöglichkeiten bieten heute die Landwirtschaft - 2005 stellte der 1. Sektor noch 22% der Arbeitsplätze in der Gem. - und ein vielfältiges Kleingewerbe. Die gute Verkehrslage (Zug, nahe Autobahn) erleichtern das Pendeln: 2000 arbeiteten fast 77% der in der Gem. wohnhaften Erwerbstätigen auswärts, v.a. in den Agglomerationen Bern und Thun.


Literatur
– R. von Stürler, Die vier Berner Landgerichte S., Sternenberg, Konolfingen und Zollikofen, 1920
– E. Schneeberger, Bauinventar der Gem. S., 1999

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler