• <b>Kloten</b><br>Plakat des Komitees Weltoffenes Zürich, von der Agentur  Rudolf Farner   gestaltet, 1970 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste). Die 1968 gegründete Interessengruppe Weltoffenes Zürich kämpft für die Förderung des Flughafens Zürich-Kloten. Das Komitee warb mit diesem Plakat für einen wichtigen Kredit zum Ausbau des Flughafens, über den das Stimmvolk des Kantons Zürich abzustimmen hatte.

Kloten

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach, welche die Flughafenstadt K. am Rand der Glatttalebene sowie die Ortschaften Gerlisberg und Egetswil umfasst. Um 1155 Chlotun. 1467 ca. 370 Einw.; 1634 842; 1710 1'328; 1850 1'524; 1900 1'363; 1950 3'429; 1970 16'388; 2000 17'190. Neolith. Siedlungsspuren im ehem. Ried, frühbronzezeitl. Siedlung im Aalbühl, Steinkistengräber der Hallstattzeit im Homberg. In der Römerzeit lag K. an der Kreuzung der Hauptachse von Vindonissa (Windisch) nach Brigantium (Bregenz) und einer Strasse von Turicum (Zürich) in den süddt. Raum. 1990 wurden neben der ref. Kirche Überreste einer röm. Siedlung (1.-3. Jh.) und eines Kastells (4. Jh.) entdeckt. Im Aalbühl lagen ein grosser Gutshof (1.-4. Jh.) sowie evtl. eine Mansio. Die kontinuierl. Besiedlung sowie die Errichtung einer Grosspfarrei im FrühMA sind anzunehmen. Die Burg Rohr im Gr. Ried war im 13. und 14. Jh. Sitz der Herren von Rümlang. Nach ihrer Zerstörung im Sempacherkrieg durch die Zürcher wurde sie wiederaufgebaut und 1472 an Heinrich Göldli verkauft, der 1486 eine Burgkapelle zu Ehren des hl. Antonius weihen liess. 1892 wurde die Burg abgebrochen.

Mit der Herrschaft Kyburg übernahmen die Habsburger 1264 Hoch- und Niedergericht von K., das sie zum Hauptort eines Verwaltungsbezirks machten. Sie richteten hier auch die - 1374 bezeugte - Zollstätte ein, die bis ca. 1510 bestand. Mit der Verpfändung der Herrschaft Kyburg 1424 bzw. 1452 kam K. an Zürich. Bis 1798 war K. Mittelpunkt des Unteren Amts der Landvogtei Kyburg mit Untervogt und einem Gericht. Die Kollatur der 1188 erstmals erw. Marienkirche veräusserten die Frh. von Tengen in der 2. Hälfte des 13. Jh. an die Habsburger. Diese überliessen sie 1406 dem Kloster Wettingen, das sie 1838 dem Kt. Zürich abtrat. Im SpätMA war K. Sitz des Dekanats sowie Zentrum der gleichnamigen grossen Pfarrei, die um 1370 Filialkapellen in Bassersdorf (Ablösung um 1520), Breite-Nürensdorf (1539), Dietlikon (1683), Rieden (1683), Wallisellen (1704), Opfikon (1958), Oberrüti und im 15. Jh. in Rohr besass. 1785-86 erfolgte der Neubau der ref. Kirche durch Johann Jakob Haltiner, 1787-90 derjenige des Kirchturms. 1948 wurde die kath. Pfarrei errichtet und die Christ-König-Kirche eingeweiht. Die Lage an der Landstrasse Zürich-Eglisau förderte die Ausbildung eines differenzierten Berufsspektrums. Im 17. Jh. boten Woll- und Seidenverarbeitung für Zürcher Verleger Verdienstmöglichkeiten; im 18. Jh. arbeiteten Wollkämbler in der Stadt. Um 1780 sind erstaunlich viele Professionalisten in K. belegt; zwei Tavernen, eine Mühle und eine Gerberei waren die wichtigsten Gewerbebetriebe.

1798 wurde K. eine polit. Gemeinde im Distrikt Bassersdorf. 1803 wurde es vorläufig, 1831 dann endgültig dem Bez. Bülach zugeteilt; 1814-31 gehörte es zum Oberamt Embrach. Die aus den Dorfgemeinden herausgewachsenen Zivilgemeinden Gerlisberg (mit Obholz und Egetswil) und K. wurden 1872 bzw. 1922 aufgelöst, die Weiler Bänikon und Eigental (zuvor Gem. Oberembrach) 1927 angegliedert. Die am 2.9.1839 in K. abgehaltene Volksversammlung bildete den Auftakt zum Septemberputsch des Zürcher Landvolks. Im 19. Jh. war K. ein gewerblich-kleinbäuerlich geprägter Ort ohne Fabrikindustrie. 1877 erfolgte der Anschluss an die Linie Winterthur-Wettingen der Nationalbahn; nach deren Konkurs wurde die Strecke 1881 verlegt - seither führt sie über Oerlikon nach Zürich - und durch die Nordostbahn betrieben. 1902-53 war die Eisenbaufabrik der grösste Industriebetrieb. Auf dem 1911 für die Artillerie erstellten Waffenplatz werden seit 1950 Übermittlungstruppen ausgebildet.

Der 1946-48 angelegte Zivilflughafen Zürich-K. nahm 1948 den Betrieb auf; seitdem wurde er mehrfach ausgebaut - 1958, 1970, 1980 und 1995 bewilligten die Stimmbürger des Kt. Zürich die entsprechenden Kredite -  sowie 1999 teilprivatisiert. Infolge des Aufschwungs des Flughafens und der in Kloten niedergelassenen Fluggesellschaft Swissair wuchsen ab ca. 1950 das Angebot an Arbeitsplätzen und die Bevölkerung (1946-72 669%) sprunghaft an, was eine grosse Bautätigkeit auslöste. Die Verstädterung des "Flughafendorfs", dessen Bevölkerung 1961 die 10'000er-Grenze überschritt, führte 1970 zur Einrichtung eines Gemeindeparlaments. Von den 1960er Jahren an siedelten sich Industriebetriebe v.a. am Ostrand K.s an. Die "Flughafenautobahn" (A51) wurde in den 1960er Jahren erstellt, die unterird. Station an der Bahnlinie Zürich-Winterthur besteht seit 1980. K. war 2000 mit fast 27'500 Arbeitsplätzen einer der wichtigsten Arbeitsorte der Agglomeration Zürich.

<b>Kloten</b><br>Plakat des Komitees Weltoffenes Zürich, von der Agentur  Rudolf Farner   gestaltet, 1970 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).<BR/>Die 1968 gegründete Interessengruppe Weltoffenes Zürich kämpft für die Förderung des Flughafens Zürich-Kloten. Das Komitee warb mit diesem Plakat für einen wichtigen Kredit zum Ausbau des Flughafens, über den das Stimmvolk des Kantons Zürich abzustimmen hatte.<BR/><BR/>
Plakat des Komitees Weltoffenes Zürich, von der Agentur Rudolf Farner gestaltet, 1970 (Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung, Zürcher Hochschule der Künste).
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Literatur
K., 1964
– H. Schärer, K. vor zweihundert Jahren, 1986

Autorin/Autor: Ueli Müller