Hedingen

Polit. Gem. ZH, Bez. Affoltern. Das Haufendorf H. im Knonaueramt umfasst die Weiler Fromoos und Ismatt sowie Einzelhöfe. 1116 Hedingen. 1467 24 Haushalte; 1634 448 Einw.; 1689 689; 1850 992; 1888 807; 1900 849; 1950 1'138; 1960 1'840; 1990 2'190; 2000 2'991.

Bei Kreuzrain wurden Überreste einer röm. Siedlung entdeckt. Ein Herrensitz, erwähnt in einer Urkundenkopie von 1298 und abgegangen zwischen 1388 und 1503, bildete zusammen mit der Kirche den Siedlungskern von H. Die Kirche gehörte 1116 zum Kloster Pfäfers und hatte vor 1275 einen Leutpriester. Fromoos war eine durch Rodung errichtete Ausbausiedlung. Ein Pfäferser Rodel von 1340 legt den Schluss nahe, dass das Kloster seinen Streubesitz im Knonaueramt von H. aus verwaltete. Hochgerichtlich lag H. im Freiamt, das 1415 zu Zürich kam. Niedergerichtlich unterstand H. dem Kloster Pfäfers, das seine Rechte durch einen Meier und Vogt wahrnahm. 1383 wurden Burg und Herrschaftsrechte an Glarner Bürger, Ende 14. Jh. an Zürcher Bürger verliehen, so 1388 an Felix Trüber. 1495 verkaufte Pfäfers das Lehensrecht über die Vogtei und die Patronatsrechte über die Kirche dem Stift St. Leodegar in Luzern. Die Stadt Zürich zwang jedoch das Stift, ihr gegen 250 Gulden die weltl. Lehenshoheit abzutreten. Die Lehen selbst, die Burgstelle mit den niedergerichtl. Rechten, kaufte Zürich 1503 von den Erben des Heinrich von Jestetten. 1512 wurde das Dorf in die Zürcher Landvogtei Knonau eingegliedert. 1531 gelangte die Stadt Zürich durch Tausch in Besitz der Patronatsrechte über die Kirche. 1595 wurde ein Einzugsbrief verfasst. Während der Krise am Ende des 17. Jh. lösten Leute aus H. die Auswanderung nach Brandenburg aus. Von mindestens 200 Personen aus dem Knonaueramt stammten 77 aus H.

Die Heimindustrie war verbreitet. 1787 lebten 569 Personen von der Baumwollspinnerei, davon 176 nur saisonal. 1850 arbeiteten 179 Einwohner in der Landwirtschaft und 251 in der Textilindustrie. Die Seidenweberei Edwin Näf, ein Zweigbetrieb des Unternehmens der Fam. von Johann Rudolf Näf (Kappel am Albis) wurde 1883 in H. gegründet, 1941 mit einem Shedbau erweitert und 1955 stillgelegt. 1827 erhielt H. eine Kunststrasse und einen Anschluss an die Reisepost, 1844 eine Poststelle und 1864 eine Eisenbahnstation. Der Gemeindewald (ca. 200 ha) wurde 1834 an eine heute noch bestehende Korporation verkauft und das Allmendland 1857 unter den Gerechtigkeitsbesitzern aufgeteilt. 1960-68 erfolgte eine Güterzusammenlegung und Melioration. 1907 wurde ein Gemeindeverein gegründet, der bis zum Aufkommen der Ortsparteien 1919 auch die Kandidaten für die Behörden portierte. 1938 erwarb die Gem. einen Mühlenweiher, wo sich seit 1945 eine Badeanstalt befindet. In den 1960er Jahren siedelte sich etwas Industrie an. Heute ist H. eine Agglomerationsgemeinde im Einzugsbereich von Zürich. 2000 pendelten rund drei Viertel der Erwerbstätigen dorthin.


Quellen
SSRQ ZH (Ms.), StAZ
UB der südl. Tl. des Kt. St. Gallen, bearb. von F. Perret, 1961-
Literatur
Gemeindebüchlein H., 1964
– F. Wendler, Knonaueramt, 1987

Autorin/Autor: Martin Illi