Kirchenthurnen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Seftigen. Das Dorf K. liegt im Gürbetal am Osthang des Längenbergs über dem Talboden. Bis 1860 hiess es Thurnen, dann erfolgte die Namensänderung in K. zur Unterscheidung von der Gem. Mühlethurnen. Die Kirchgem. Thurnen umfasst Burgistein, Kaufdorf, K., Lohnstorf, Mühlethurnen und Rümligen. 1228 Tornes. 1764 96 Einw.; 1850 284; 1880 306; 1900 277; 1950 199; 1970 375; 2000 292. Hallstätt. Gräber mit Beigaben in der Ried-Kiesgrube. Grundbesitz und Herrschaftsrechte gehörten im 14. Jh. der Bernburgerfamilie von Blankenburg. Diese übergab Güter, Vogtei und Kirchensatz 1343 dem Kloster Interlaken und stiftete 1349 die Katharinen-Kaplanei, um die es 1464 mit Interlaken zum Streit kam. K. lag hochgerichtlich ab 1388 im bern. Landgericht Seftigen. Die 1228 erstmals erw. Kirche (1671-1739 neu erbaut) wurde 1351 dem Kloster einverleibt. Die ma. Pfarrei Thurnen umfasste ein weites Gebiet, das von der Mitte des Längenbergs bis zum Gurnigel reichte und neben den heutigen Gem. auch Wattenwil (1659 selbstständig) und Riggisberg-Rüti (bis 1935) einschloss. Die Herrschaftsherren von Riggisberg, Rümligen und Burgistein hatten in der Kirche eigene sog. Schlossstühle. In der Reformation fiel der Interlakner Besitz (Güter, Gericht, Kirchensatz) 1528 an Bern, das K. seinem Gericht Thurnen (im 18. Jh. Vennergericht Mühlethurnen) zuteilte. Die Bevölkerungszahl des ehemaligen bäuerl.-kleingewerbl. Dorfes wuchs im 19. Jh. an, fiel nach 1880 und stieg erst ab den 1960er Jahren dank Arbeitsangeboten v.a. im Raum Bern wieder an, doch bereits ab den 70er Jahren nahm sie von neuem kontinuierlich ab. Die kleine Gemeindefläche (123 ha) verhindert eine grössere Bautätigkeit. 2000 arbeiteten mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen von K. auswärts. Im Kirchgemeindehaus, das 1978 erbaut wurde, besitzt das Dorf ein multifunktionales regionales Zentrum.


Literatur
– H. Egger, Die Gürbe und ihr Tal, 1958
– H. Schneeberger, Bauinventar der Gem. K., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler