Kirchdorf (BE)

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Seftigen. Die Gem. umfasst das Dorf K., Weiler und Höfe. Sie liegt auf der Terrasse zwischen Aare- und Gürbetal, mit Anteilen an beiden Tälern sowie am Gerzensee. Zur Kirchgem. K. gehören Gelterfingen, Jaberg, Kienersrüti, Mühledorf, Noflen und Uttigen. 1228 Chilthorf. 1764 326 Einw.; 1850 679; 1880 710; 1900 605; 1930 589; 1950 640; 1960 535; 2000 819. Gräber aus der Latènezeit im Raum Kirche-Friedhof und undatierbare an der Noflenstrasse sowie ein Erdwerk im Gestelenwald. Im MA war das Gebiet im Besitz verschiedener in Bern verburgerter Herren (u.a. von Kramburg, Sigriswil und Bennenwil). Durch Kauf oder Donation von Höfen mit Gerichtsrechten gelangte es an geistl. Institutionen (Kloster Interlaken 1250 und 1305, Inselspital 1354, Niederspital Bern 1414), bis Jakob von Wattenwyl die einzelnen Rechte 1507-08 zu einer Herrschaft vereinte. Nach Besitzerwechseln im 17. Jh. erwarben die Dorfgenossen 1645 das Gericht K. und übergaben es der Stadt Bern für 1'000 Pfund. K. wurde eines der vier Vennergerichte des Landgerichts Seftigen (Twingrecht 1645). Die ma. Ursuskirche - 1228 erstmals bezeugt und 1872-74 nach einem Brand wieder aufgebaut - war für versch. Dörfer zuständig; ab dem 16. Jh. auch für Uttigen. 1664 löste sich Seftigen ab. Der Kirchensatz ging an Bernburgerfamilien (von Bennenwil, Krauchtal und Erlach) und kam 1579 an Bern. Seit jeher betrieb man im alten Pfarrdorf K., Durchgangsort zwischen Emmental und Schwarzenburg, Landwirtschaft und Gewerbe. Seit den 1970er Jahren wächst die Bevölkerung, und die Bautätigkeit nimmt zu. Ende des 20. Jh. boten Landwirtschaft (Acker-, Obst- und Gemüsebau sowie Milchwirtschaft), Kleingewerbe, Kiesabbau und eine regionale Kehrichtdeponie Verdienstmöglichkeiten, doch fast zwei Drittel der Erwerbstätigen in K. arbeiteten 2000 auswärts. An hist. Gebäuden bestehen der Käfigturm mit dem Gemeindearchiv (17. Jh.), das ehemalige obrigkeitl. Kornhaus (um 1700 erbaut, heute ein Unterweisungslokal) sowie die privaten Landsitze Schlössli (1646 errichtet) und Winkel (1668). Daneben findet sich in K. auch die Wohn- und Arbeitsgemeinschaft Tannacker für Behinderte.


Literatur
– H. Egger, Die Gürbe und ihr Tal, 1958
– T. Hurschler Bauinventar der Gem. Kirchdorf, 2009

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler