Waldenburg (Bezirk)

Bez. BL, Hauptort W., umfasst v.a. das Vordere und das Hintere Frenkental sowie die anliegenden Höhen und den oberen Teil des Diegtertals. Ma. Herrschaft, ab 1400 Amt im Kt. Basel, 1798-1803 helvet. Distrikt, dann bis 1833 Bez. im Kt. Basel. 1850 9'759 Einw.; 1900 9'380; 1950 10'133; 2000 15'143. Die Frohburger verkauften die Herrschaft W. 1265 an den Bf. von Basel. 1400 ging diese an die Stadt Basel, die ab Mitte des 15. Jh. die administrativen Grundlagen für die Sicherung ihrer Einkünfte im neuen Territorium schuf (z.B. Personenverzeichnis um 1460). Das Amt W. wurde 1673 mit der Vogtei Ramstein vereint. Die Verschiebung von Tenniken in den Bez. Sissach mit der Kantonsteilung 1833 war die letzte Gebietsänderung. Im 18. Jh. etablierte sich die Seidenbandweberei im ansonsten noch zu Beginn des 21. Jh. landwirtschaftlich geprägten Amt bzw. Bez. W., aus dem mehr als die Hälfte der Basler Seidenbandproduktion stammte (1754 691 Bandstühle; 1770 853; 1786 1'168; 1856 1'549; 1908 1'286). Mit der Planung des Hauensteintunnels (1858 eröffnet) drohte der Bezirk verkehrstechnisch den Anschluss zu verlieren. Als Reaktion versuchten die Behörden 1853 zunächst wenig erfolgreich die Uhrenindustrie im Tal anzusiedeln. Der kommunale Betrieb in W. wurde 1859 privatisiert (heutige Revue Thommen). 1904 wurde in Hölstein die noch zu Beginn des 21. Jh. dort produzierende Uhrenfabrik Oris Watch & Co. gegründet (seit 1982 Oris SA). Bis in die 1970er Jahre war die Uhrenindustrie im Bez. W. für den Kanton von zentraler Bedeutung. 1880 wurde die Waldenburgerbahn von Liestal nach W. eröffnet. 1956 entstand die Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen, die einzige des Kt. Basel-Landschaft. Das Aufkommen des Automobils führte den Passverkehr über den Oberen Hauenstein im 20. Jh. zu einer neuen Blüte, die mit der Eröffnung des Belchentunnels der A2 1970 wieder endete.


Literatur
– F. Gschwind, Bevölkerungsentwicklung und Wirtschaftsstruktur der Landschaft Basel im 18. Jh., 1977
Nah dran, weit weg: Gesch. des Kt. Basel-Landschaft 5-6, 2001
W., 2003

Autorin/Autor: Philippe Hofmann