No 11

Pictet, François-Pierre

geboren 11.10.1728 Genf, gestorben 2.9.1798 Bern, ref., von Genf. Sohn des Isaac, Ratsherrn, und der Susanne Gallatin. ∞ 1764 Catherine Le Maignen, Tochter eines Petersburger Juweliers. Ausbildung in Genf, 1752 Advokat. P. war ein Vertrauter Voltaires und trat in dessen Theaterstücken auf. 1761 begab er sich nach Russland und verkehrte dort als Günstling von Alexander Vorontsow und Gregor Orlow im Umfeld von Katharina II., die er zum Briefwechsel mit Voltaire und Jean Le Rond d'Alembert anregte. Den Brief, den er schrieb, um die Zarin vom Vorwurf des Gattenmords zu entlasten, verbreitete Voltaire in weiten Kreisen. Als Gewährsmann der franz. Ambassade rekrutierte P. auch Siedler für Kazan und Saratow im Wolgabecken. 1776 musste er Russland verlassen, nachdem ihn sein Schwager in einer Schmuggelaffäre kompromittiert hatte. Er liess sich in Paris nieder und erwarb sich den Ruf eines Spezialisten für russ. Unternehmungen. Als die Revolution nahte, emigrierte er nach England, zuerst nach London, dann nach Reading, wo er Französisch unterrichtete. 1793 wurde P. von William Pitt dem Jüngeren zu dessen Geheimagenten in Bern berufen. Im selben Jahr veröffentlichte er ein scharfzüngiges, antirevolutionäres Pamphlet auf Englisch und Französisch.


Literatur
– J.-D. Candaux, Histoire de la famille P., 1474-1974, Bd. 1, 1974, 225-231
– R.P. Bartlett, «Diderot and the foreign colonies of Catherine II», in Cahiers du monde russe et soviétique 23, 1982, 221-241
– A. Stroev, Les aventuriers des Lumières, 1997

Autorin/Autor: Jean-Daniel Candaux / PTO