No 3

Vallotton, Henry

geboren 4.6.1891 Lausanne, gestorben 31.1.1971 Saint-Sulpice (VD), ref., von Vallorbe. Sohn des Henri, Buchdruckermeisters, und der Louise geb. Zellweger. ∞ 1) 1915 Blanche Warnery, Tochter des Emile, 2) 1931 Yvonne von Freudenreich, Tochter des Eduard von Freudenreich, geschieden von Erich von Wattenwyl, Brieffreundin von Rainer Maria Rilke. Schulen in Lausanne, Stud. der Rechte in München und Lausanne, Dr. iur. der Univ. Lausanne. 1915-43 Advokat in Lausanne, Bürogemeinschaft mit seinem Parteikollegen Marcel Pilet-Golaz. 1921-33 freisinniger Waadtländer Grossrat (1927 Präs.), 1925-43 Nationalrat (1939 Präs.), ab 1935 Fraktionspräsident. Als Befürworter einer antikommunist., korporatist. und autoritären Linie leitete V. in seiner Partei eine Rechtswende ein, blieb aber gegenüber der Ligue Vaudoise auf Distanz. 1932 gründete er die Association patriotique vaudoise. Den Vorstoss Walter Stuckis für eine Mitte-Links-Allianz unter Ausschluss der Kommunisten brachte er zum Scheitern. Sein polit. Schwerpunkt lag in der Aussenpolitik. So war V. Mitglied der Schweizer Delegation an der Abrüstungskonferenz von 1932 und präsidierte von ihrer Gründung 1936 bis Juni 1940 die aussenpolit. Kommission. Nach einem Frontbesuch während des sowjet.-finn. Winterkriegs im Januar 1940 kritisierte er die Neutralitätspolitik des Bundesrats. 1943-45 war V. Botschafter in Rio de Janeiro, 1946-51 in Stockholm und 1952-56 in Brüssel. Als Mitglied des Touring Clubs Schweiz und des Schweizer Alpen-Clubs betätigte er sich im Tourismusbereich und im Vereinswesen. Zudem sass er u.a. in den Verwaltungsräten von Saurer und Sulzer. Aus seiner Feder stammen rund 20 Publikationen zu seinen Reisen, zu Ländern und hist. Persönlichkeiten. Oberst. Zofinger.


Archive
– EDA, Dokumentation
– ACV, Dossiers SDA
Literatur
– R. Butikofer, Le refus de la modernité, 1996, v.a. 384-386

Autorin/Autor: Marc Perrenoud / RG