Hüntwangen

Polit. Gem. ZH, Bez. Bülach. Das Dorf H. liegt am westl. Rand des Rafzerfeldes. 1254 Hiuntwangin. 1640 175 Einw.; 1722 456; 1836 588; 1850 639; 1900 538; 1920 516; 1950 523; 2000 782. Im Früh- und HochMA gehörte H. zur Landgrafschaft Klettgau; im HochMA waren die Frh. von Tengen hier begütert. Vogtei und Niedergerichte besass ab dem 12. Jh. das Bistum Konstanz, das sie an niedrige Adelige verlieh. 1478 wurden sie von Frh. Bernhard Gradner erworben. Als Teil der Herrschaft Eglisau gelangte H. 1496 an die Stadt Zürich und gehörte bis 1798 zur Landvogtei Eglisau. Die hohe Gerichtsbarkeit besassen im 14. Jh. die Gf. von Habsburg-Laufenburg, ab 1408 die Gf. von Sulz, die sie 1651 der Stadt Zürich verkauften. Kirchlich unterstand H. der Pfarrei Wil und trat mit dieser um 1525 zum ref. Glauben über. In der frühen Neuzeit kam es zur Ausbildung einer Dorfgenossenschaft (Einzugsbrief 1587). 1798 wurde H. als selbstständige Gem. dem Distrikt Bülach, 1803 dem Bez. Bülach, 1814 dem Oberamt Embrach und 1831 erneut dem Bez. Bülach zugeteilt. Vor 1798 bestand wenig ländl. Handwerk; es dominierte durch Rebkulturen ergänzter Ackerbau. Im 17. bis 19. Jh. war die heimindustrielle Strohflechterei verbreitet. Als einziger industrieller Betrieb existierte 1890-1956 die Stroh- und Filzhutfabrik Ritz. Die 1836-39 gebaute Strasse Eglisau-Bühl (Baden), die bei H. die alte Landstrasse Schaffhausen-Baden kreuzte, sowie der 1897 erfolgte Anschluss an die Nordostbahnlinie Eglisau-Schaffhausen bewirkten keine Industrialisierung der Agrargemeinde (1920 61% der Erwerbstätigen im 1. Sektor tätig). Die Güterzersplitterung führte 1929-33 zu einer ersten Güterzusammenlegung. Im Südteil der Gem. wird seit 1960 Kies abgebaut, wodurch sich die Topografie veränderte (Talbildung). Nach 1960 führten Renovationen von Bauernhäusern und der Bau von Einfamilienhäusern zu bescheidenem Wachstum und vermehrtem Wegpendeln.


Literatur
– H. Hofer, Wirtschafts- und Siedlungsgeographie des Rafzerfeldes und seiner angrenzenden Gebiete, 1941
– H. Kläui, «Das Rafzerfeld», in Zürcher Chronik, 1964, 62-70
– T. Neukom, «Hoche grichte und übrige herrligkeit: das Rafzerfeld zwischen Zürich und der Landgrafschaft Klettgau», in ZTb, 2002

Autorin/Autor: Ueli Müller