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Belp

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Seftigen, und ehemalige Freiherrschaft (bis 1798). Die Gem. am Ausgang des Gürbetals ins Belpmoos und links der Aare umfasst das Dorf B. (1263 Belpo), die Weiler Viehweide, Heitern, Hofmatt, die neuen Quartiere Eissel (1956-75), Montenach (1960er Jahre), Schafmatt (1970er Jahre), Hühnerhubel (1980) sowie Aussenhöfe. Zur Kirchgemeinde gehören auch Belpberg und Toffen. Bezirkshauptort mit dem Regionalflughafen Bern-B. 1764 789 Einw.; 1850 1'970; 1900 2'343; 1950 4'066; 2000 9'193.

Neolith. Einzelfunde (Tuchfabrik), bronzezeitl. Gräberfelder (Hohliebe, Aebnit, Bützacker) und latènezeitl. Funde (Dorf, Sonneggstrasse) belegen die frühe Begehung bzw. Besiedlung des Gebiets. Aus dem Hoch- und SpätMA sind drei Burganlagen (Holzburgen) bekannt: Fahrhubel, 700 m nordwestl. der Hunzigenbrücke (Burgberg abgetragen), Hohburg am nördl. Abhang des Belpbergs (spärl. Mauerreste) und Hölzernes Schloss (1783 abgebrochen) im Dorf B. zwischen Gürbe und Amtssitz. Die Siedlungsentwicklung litt bis zur umfassenden Flusskorrektion im 19. Jh. unter den Überschwemmungen der Gürbe im Dorf und der Aare auf der Allmend.

1 - Freiherrschaft

Stammburg war die Holzburg am Belpberg. Die Frh. von Belp-Montenach dehnten ihren Einfluss im 12. und 13. Jh. über ihre Stammherrschaft B. auf die Herrschaft Montenach und Gerenstein aus. Ab 1277 bestand wieder eine kleine Herrschaft B. mit den Schwerpunkten B. und Belpberg. Nach dem Gefecht am Donnerbühl/Dornbühl 1298 zerstörte Bern die Burg und erzwang 1306 einen Burgrechtsvertrag mit den Frh. von B., der diesen eine neue Holzburg im Dorf zugestand (Hölzernes Schloss, um 1327). Nach dem Aussterben des Mannesstamms gelangte die Freiherrschaft im Umfang der Gem. B. mit Hoch- und Niedergerichten an bernburgerl. Familien: 1383 von Wabern, 1491 vom Stein und von Luternau, 1550 von Luternau allein (Bau des Alten Schlosses), 1624 Stürler (Vergrösserung des Schlosses), 1700 von Muralt, 1721 von Wattenwyl. Nach Aufhebung der Herrschaftsrechte (1798) erwarb der Staat Bern 1810 von Karl von Wattenwyl das Schloss als Sitz der Bezirksverwaltung Seftigen.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

2 - Gemeinde

Die Kirche (1228 erw., Peter-und-Pauls-Patrozinium, rom. Bausubstanz) war vermutlich eine Gründung der Herren von B. Der Kirchensatz kam 1334 an das Kloster Interlaken, nach dessen Säkularisation 1528 mit der von Interlaken betreuten Kaplanei (1490 erw., Marienpatrozinium) an Bern. Ausserhalb des Dorfes an der Bernstrasse (Steinbach) entstand um 1490 das Siechenhaus (1962 abgebrannt) des grossen Kirchspiels. 1699 trennte Bern die neu gegr. Kirchgemeinde Zimmerwald-Muhlern ab. Die Siedlung erhielt ab dem 16. Jh. neue Akzente durch Herrschaftssitze von Berner Patriziern: Im Dorf baute Augustin von Luternau nach 1554 das Alte Schloss gegenüber dem Hölzernen Schloss, Johann Rudolf Stürler vergrösserte es 1636-44 um den westl. Hauptbau. 1735-36 entstand, erhöht über dem Dorf, der Landsitz Oberried des Postherrn Viktor Fischer (1937-84 Landschul-, neu Pflegeheim). Alexander Ludwig von Wattenwyl baute 1740 das Neue Schloss. Um 1800 entstand das Herrenhaus Lindenegg.

Die Bauern von B. betrieben Ackerbau in Zelgen. Ausserhalb der Flurgenossenschaft standen die sog. Steckhöfe Gruben, Winzenried-Hofmatt (bei der Grenzregulierung 1829-31 zur Gem. Zimmerwald) und jenseits der Aare Aar-Leen. Die 2. Hälfte des 18. Jh. brachte die Auflösung der Zelgen und den Übergang auf Fruchtwechselwirtschaft. Die Korrektion von Aare (1824-31) und Gürbe (1855-60) sowie die Melioration und Güterzusammenlegung im unteren Gürbetal (1917-23) erschlossen das ausgedehnte Belpmoos dem Gemüsebau. Nun liessen sich auch die Verkehrswege sanieren: Die beiden Fähren bei Kleinhöchstetten und Münsingen (Schützenfähre) wurden 1836 durch die Hunzigenbrücke (alte Holzbrücke heute als Fussgängerbrücke im Augut) und 1883 durch die Schützenfahrbrücke ersetzt. Ein Pferdetram verband B. mit Bern, bis die Gürbetal-Bahnlinie 1901 den wirtschaftl. und demograf. Aufschwung einleitete und den Pendlerverkehr ermöglichte (1990 62% Wegpendler). Die Industrialisierung in B. begann mit der Tuchfabrik (1844-1974). Es folgten die Nahrungsmittelfabrik Galactina (1901), Alupak AG (1972), Druckereien sowie zahlreiche Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe. 1990 zählten 62% der Arbeitsplätze zum 3. Sektor.

Die Gem. erfüllt eine Reihe von Zentrumsfunktionen, u.a. mit dem Amtssitz des Amtsbez. Seftigen seit 1803, dem Bezirksspital für B., Belpberg, Kehrsatz und Toffen seit 1905 sowie der kath. Kirche von 1968. Neben die Primarschule trat 1865 die als Privatschule gegr. Sekundarschule. Der 1928-29 erbaute Flugplatz Belpmoos wuchs zum Regionalflughafen Bern-B. mit Motor- und Segelflugschulen. Pläne zum Ausbau (1947 bzw. 1984) oder zur Verlegung ins bern. Mittelland (erstmals 1942, letztmals 1972) scheiterten am Widerstand der Bevölkerung oder des Gr. Rats.

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler

Quellen und Literatur

Literatur
– F. Burkhalter, Die Orts- und Flurnamen der Gem. B., 1968
– W. Lehmann, B. und das Gürbetal, 1983
– W. Lehmann, Belper Chronik 1900-1985, 1987