• <b>Eduard Marti</b><br>Federlithografie aus der "Schweizerischen Portrait-Gallerie", erschienen 1888–1907 bei Orell Füssli in Zürich (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 4

Marti, Eduard

geboren 12.10.1829 Rapperswil (BE), gestorben 5.11.1896 Baden, ref., von Rapperswil. Sohn des Bendicht, Oberrichters in Bern. ∞ Julie Kaufmann, Tochter des Johannes, Amtsnotars und Stadtschreibers in Thun. Gymnasium in Bern, 1851-54 Stud. der Rechte in Bern, 1854 Fürsprecherpatent. 1854-55 Fürsprecher in Nidau, 1856-71 in Biel. 1871-92 Direktionspräs. der Jura-Bern-Bahn (ab 1878 Jura-Bern-Luzern-Bahn, ab 1890 Jura-Simplon-Bahn). 1866-78 sowie 1882-92 Berner Grossrat, 1883-84 Präs. des Verfassungsrats, 1892-96 Regierungsrat (Bau- und Eisenbahndirektion), 1866-78 sowie 1884-96 Nationalrat (1877-78 Präs.). Mitglied des Verwaltungsrats der Jurabahn, der Centralbahn und der Berner Kantonalbank sowie des Schulrats des Eidg. Polytechnikums.

<b>Eduard Marti</b><br>Federlithografie aus der "Schweizerischen Portrait-Gallerie", erschienen 1888–1907 bei Orell Füssli in Zürich (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Federlithografie aus der "Schweizerischen Portrait-Gallerie", erschienen 1888–1907 bei Orell Füssli in Zürich (Schweizerische Nationalbibliothek).
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M., der über seinen Schwiegervater mit Ludwig Forrer und Eduard Müller befreundet war, zählte zu den markanten Persönlichkeiten der Radikal-Demokraten im Kt. Bern. Seine polit. und wirtschaftl. Machtstellung als "Eisenbahnbaron" machte ihn zu einem der einflussreichsten Parlamentarier auf Kantons- wie auf Bundesebene. Indem er 1871 den Bau der Jurabahnen organisierte und später deren Fusion mit der Westbahn zur Jura-Simplon-Bahn in die Wege leitete, setzte M. die bern. Eisenbahnpolitik im Sinne seines Vorgängers Jakob Stämpfli fort. Schon früh engagierte er sich für den Simplondurchstich sowie den Bau der Brünigbahn und der Grimselstrasse. An der Seite von Bundesrat Emil Welti kämpfte er ab 1891 für die Verstaatlichung der Eisenbahnen. 1892 wurde er wegen angebl. Mitschuld an einer Reihe von Unglücksfällen und der Durchsetzung eines personalfreundl. Arbeitszeitgesetzes von einer Mehrheit westschweiz. Aktionäre aus dem Direktionspräsidium der Jura-Simplon-Bahn verdrängt, was zu einer Verstimmung zwischen den Berner und den Waadtländer Freisinnigen führte.


Literatur
– E. Mathys, Männer der Schiene 1847-1947, 1947, 50-56
– Gruner, Bundesversammlung 1, 196 f.
– H. Strebel, Die Diskussion um den Rückkauf der schweiz. Privatbahnen durch den Bund 1852-1898, 1980, 321
– Junker, Bern 2

Autorin/Autor: Peter Stettler