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Oberengadiner Seen

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Die in der Nacheiszeit entstandenen O. bilden eine Seenlandschaft, die einst von Südwesten bis Nordosten durchgehend war. Sie besteht hauptsächlich aus dem Silsersee (rätorom. Lej da Segl), dem Silvaplanersee (Lej da Silvaplauna), dem Champfersee (Lej da Champfèr) sowie dem vollständig abgetrennten St. Moritzersee (Lej da S. Murezzan). Der Silsersee ist mit seinen 4,14 km2 der grösste See Graubündens.

1288 übergab der Bf. von Chur seine Rechte am St. Moritzer- und Stazersee sowie am Lej Giazöl als Erbpacht an die Fam. Planta. Um 1400 betrug ihr Pachtzins von Mitte Mai bis Ende Sept. 500 Fische pro Freitag, für kleine Pächter in der Region insgesamt 3'225 Fische pro Jahr. 1526 verlor der Bischof seine Rechte am Silsersee. 1869 kaufte Johannes Badrutt einen Teil der Fischereirechte am Silsersee auf, welche schliesslich 1943 von der Gem. Sils erworben wurden. Ein kleinerer Teil der Fischereirechte befindet sich indes bis heute in privater Hand. Die Fischerei in den Seen, im Inn und im Lej Giazöl bildete bis ins 19. Jh. eine wichtige Nahrungsquelle.

Die Wasserkraftprojekte von 1905 und 1918 wurden nach heftigen und langwierigen Auseinandersetzungen 1934 vom Bundesgericht abgelehnt. 1946 sammelte die Cumünaunza Pro Lej da Segl 100'000 Fr. für Sils und 200'000 Fr. für Stampa, um deren Verzicht auf Konzessionserteilung, der sich auf 100 Jahre erstreckt, zu kompensieren. Auch die 1882 projektierte Bootsverbindung von St. Moritz nach Maloja, die einer Schleuse zwischen St. Moritz Bad und dem Champfersee bedurft hätte, wurde nicht realisiert. 1889-1914 bestand auf dem St. Moritzersee ein Motorbootbetrieb, der seit 1908 auch auf dem Silsersee konzessioniert ist. Der St. Moritzersee wird als einziger der O. seit 1887 für die Stromproduktion genutzt (Charnadüra-Schlucht). Heute dienen die O., die im Winter zufrieren, vorab winter- und sommersportl. Zwecken (etwa Polo, Turfrennen, Skimarathon und diversen Wassersportarten). Seit 1966 setzt sich die Pro Surlej für den Schutz der gesamten Seenlandschaft ein.


Literatur
– R. Boppart, Sils im Engadin, 1980, 70-80
– S. Margadant, M. Maier, St. Moritz, 1993, 20-27
– M. Maier, Die O., 1995

Autorin/Autor: Adolf Collenberg