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Lenk

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Obersimmental. Weitläufige Gem. (124 km2) im obersten Simmental, mit Wäldern und Alpen an den Hängen des Talkessels, umrahmt vom Hochgebirge. Der Wildstrubel (3243 m) im Südosten ist der höchste Punkt auf dem Gemeindegebiet. Die Gem. besteht aus den Bäuerten Aegerten und Brand mit dem Dorf und Gemeindezentrum L., Gutenbrunnen, Ober- und Pöschenried. 1370 An der Leng. 1764 1'468 Einw.; 1850 2'369; 1900 1'748; 1950 1'871; 2000 2'337. Auf eine Besiedlung weisen evtl. neolith. Funde (Tierberghöhle, Bahnhof L.), bronzezeitl. Funde bei Bad Gutenbrunnen sowie bronzezeitl. Befestigungsanlagen auf dem Burgbühl und dem Bürstehubel (im MA wieder belegt). Im MA gehörte das Gemeindegebiet teilweise zur Herrschaft Mannenberg bzw. zum Eigenbesitz der Frh. von Raron. Es wurde in der Herrschaft Mannenberg-Reichenstein verwaltet, die 1456 an die Herren von Bubenberg gelangte. Von ihnen kam das Gericht an der L. 1465 an einheim. Landesvenner (Imobersteg, Jenneli), 1502 an Bern und zur Kastlanei Obersimmental. Das alte Talzentrum lag im Gutenbrunnen. Es umfasste den Gerichtsplatz, den Jahrmarkt (1644 nach Zweisimmen verlegt) und die Kapelle mit einer eigenen Pfründe, die von St. Stephan (Pfarrei Zweisimmen) aus bedient wurde. L. erhielt zum Bau einer Kirche einen Bauplatz geschenkt. Das 1505 errichtete Gotteshaus, von der Bevölkerung mit einer Pfründe ausgestattet, wurde 1878 durch den Dorfbrand zerstört, 1881 ersetzt und 1950 neu erbaut. Gegen den Willen des Klosters Interlaken und der Kirche St. Stephan verfügte Bern 1505, dass der Kirchensatz den Lenkern selbst zustehe und ihre Kirche über alle Sakramente verfügen solle. 1513 wurde sie in den Rang einer Pfarrkirche erhoben. Die Reformation liess sich nach anfängl. Widerstand 1528 einführen.

Dank gesicherter Korneinfuhr im 16. Jh. ging L. auf Viehwirtschaft (Mast, Alpkäserei) im Tal-, Vorsass- und Alpbetrieb über. Ein Nebenverdienst bot die Holzverarbeitung. Heute sind die meisten Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor beschäftigt - insbesondere im Tourismus -, an zweiter und dritter Stelle folgen die Vieh-, Forst- und Alpwirtschaft (Korporationsalpen) und das Gewerbe (v.a. Bausektor).

L. lag bereits in der Römerzeit an den Süd-Nord-Verbindungen über den Kaltwasser- und Rawilpass: Am Iffigsee wurde eine röm. Station gefunden (mansio, mutatio oder Passheiligtum), auf der Iffigenalp weitere Funde (Strassenkörper, Kalkbrennofen). Bis zur Eröffnung der Lötschbergbahn 1913 benützten die Säumer (Weinimport, Viehexport) den Rawilpass, um ins Wallis zu gelangen. Die Reformation erschwerte den Kontakt mit den kath. Wallisern. Das Projekt einer Rawilstrasse (Tunnel ab Iffigenalp) wurde 1986 mittels eines Bundesbeschlusses aufgegeben. Naturschönheiten wie die Simmenfälle und der Wildstrubel zogen vom 19. Jh. an Reisende in die klimatisch bevorzugte L. Das Gebiet wurde beschrieben - u.a. von Philippe-Sirice Bridel und Johann Gottfried Ebel - und gemalt, z.B. von Caspar Wolf. Zwischen 1843 und 1900 wurde das erstmals 1689 konzessionierte Bad (Schwefel-, Eisenquellen) in Etappen zum Kurbad und Grandhotel ausgebaut. Der Neubau des Kurzentrums mit Hallenbad erfolgte ab 1969. Das Gastgewerbe ist zu drei Vierteln im Dorf konzentriert, Ferienchalets entstanden ausserhalb in den Bäuerten. Die Postkurse verkehrten ab 1865 in die L., die Bahnlinie von Zweisimmen wurde 1912 eröffnet. Die verbesserte Zufahrt und der Ausbau des tourist. Angebots (u.a. Sommer-Akademie für Musiker) machten die L. zu einem der wichtigsten Touristikorte des Simmentals. Sie bietet weite Ski- und (Alpin-)Wandergebiete, die durch Bus, Bahn und Lift erschlossen und durch den Verbund mit den Skiregionen Adelboden und Gstaad besonders weitläufig sind. Das vom Bund und der Gem. getragene Kurs- und Sportzentrum (1983) wird für militär. und zivile Zwecke genutzt.


Literatur
Simmentaler Heimatbuch, 1938
– A. Buchs et al., L., 1968
– G.S. Lauterburg, Die L. im Jahre 1799, hg. von H.A. Michel, 1978 (21985)
– H. Grütter, «Der Rawilpass - mit antikem Vorgänger am Kaltwasserpass (Col des Eaux Froides) ?», in Mensch in der Landschaft, 1986, 453-466
Alles Leben kommt aus dem Wasser, 1989
– Y. Boerlin-Brodbeck et al., L., 1997
– P. Bannwart, Bauinventar der Gem. L., 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler