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Boltigen

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Obersimmental. Die Gem. mit den Bäuerten B. (1276 Boltingen), Adlemsried, Eschi, Oberbäuert (Littisbach, Unterbächen), Reidenbach, Schwarzenmatt, Simmenegg und Weissenbach umfasst den Talboden der Simme, beide Talhänge und Alpgebiete bis 2235 m. 1488 147 Hofstätten; 1764 1'300 Einw.; 1850 2'149; 1900 1'933; 1950 1'779; 1980 1'339; 2000 1'436.

Auf frühe Besiedlung weisen steinzeitl. Siedlungsspuren im Ranggiloch (Abri), bronzezeitliche auf Alp Laubegg und Trögleni hin. Sichtbar sind die ma. Burgruinen Simmenegg, Eichstalden und Laubegg. Neben Einzelhöfen bestanden vermutlich vom FrühMA an geschlossene Siedlungen. 1391 sind Adlemsried, B., Eschi, Schwarzenmatt, Weissenbach als Dörfer bezeichnet. Die Herrschaften Laubegg und Simmenegg kamen 1386 bzw. 1391 mit allen Gerichten an Bern und wurden im Niedergericht B. der Kastlanei Obersimmental vereinigt. Bis ins 15. Jh. gehörte Pfaffenried (heute Gem. Oberwil) zu B.; Littisbach und Unterbächen kamen 1502 von Zweisimmen dazu. Der Kirchensatz der 1228 erw. Kirche (Mauritiuspatrozinium) gelangte 1391 als Teil der Herrschaft Simmenegg samt Burgkapelle an Bern. 1528 war B. an den Reformationswirren des Oberlandes beteiligt. Nach dem Brand von 1840 wurde der ma.-neuzeitl. Kirchenbau wiederhergestellt.

Dank sicherer Korneinfuhr im bern. Staat stellte B. im 16. Jh. auf Viehwirtschaft im Tal-, Vorsass- und Alpbetrieb um und ging gleichzeitig von der grundherrschaftlichen und privaten zur genossenschaftl. Alpnutzung über. Die Viehausfuhr wurde wichtige Einkommensquelle, u.a. ist die Zucht von Simmentaler Fleckvieh bereits im 18. Jh. belegt. 1644 wurde der Jahrmarkt nach Zweisimmen verlegt. Im 18. und 19. Jh. fand ein Abbau von Steinkohle im Gebiet der Walopalp statt. Das Siedlungswachstum erfolgte im 16.-18. Jh. v.a. im Gebiet der Einzelhöfe (v.a. Oberbäuert), im 20. Jh. in den Dorfsiedlungen. Im 19. Jh. verbesserte sich die Verkehrssituation mit dem Bau der Simmentalstrasse (1815-28, Zoll in Garstatt), der Jaunpassstrasse (1872-75) und dem Anschluss an die Erlenbach-Zweisimmen-Bahn (1902). Indes entwickelte sich der Tourismus vergleichsweise schwach (1990 31% in B. Erwerbstätige im 3. Sektor). Die Landwirtschaft hatte 1990 mit 44% der Beschäftigten weiterhin Vorrang vor der Holzverarbeitung. Die Sekundarschule in Reidenbach löste 1908 die 1858 eingerichtete Gemeinde-Oberschule ab.


Literatur
– R. Tuor, «B.», in BZGH 37, 1975, 93-130
– K. Stocker, Flurnamen in der Gem. B., 1976
– H. Jungi, B., eine Standortbestimmung, [1980]
– E. Kammer, Schwarzes Gold: Erinnerungen an den Kohlenbergbau im Berner Oberland, 2000

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler