• <b>Hans Peter Tschudi</b><br>Der Bundespräsident bei einer Ansprache vor den Delegierten des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbands, während des Kongresses vom 29. November 1970 in Lausanne (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).

No 18

Tschudi, Hans Peter

geboren 22.10.1913 Basel,gestorben 30.9.2002 Basel, ref., von Schwanden (heute Gem. Glarus Süd) und Basel. Sohn des Robert, Reallehrers und SP-Grossrats, und der Emma geb. Nufer. ∞ 1952 Irma Steiner ( -> 21). 1932 Matura am Humanist. Gymnasium, Rechtsstud. in Basel und Paris, 1936 Dr. iur. 1936-38 Volontär und Adjunkt im kant. Arbeitsamt, 1938-53 Gewerbeinspektor, 1948 Habilitation in Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, 1952-59 und 1974-83 ao. Prof. an der Univ. Basel, 1974-83 Lehrauftrag für Arbeitsrecht an der Univ. Bern. 1936 Eintritt in die SP, 1944-53 baselstädt. Grossrat, 1953-59 Regierungsrat (Inneres), 1956-59 Ständerat, 1959-73 Bundesrat (1965 und 1970 Bundespräsident). Mit der Wahl T.s und Willy Spühlers verfügte die SP erstmals über zwei Vertreter im Bundesrat. Im Eidg. Departement des Innern (EDI) bestand Modernisierungsbedarf, den er zügig anging ("Tschudi-Tempo"). Insgesamt unterbreitete er dem Parlament 164 Vorlagen und machte das EDI zum wichtigsten Departement der Bundesverwaltung. Am stärksten beanspruchte ihn der Nationalstrassenbau, dessen rasante Realisierung Mitte der 1960er Jahre zu einer Finanzierungskrise führte. Nachhaltiger blieb in Erinnerung, dass T. die Altersvorsorge ausbaute (5. bis 8. AHV-Revision), 1965 die Ergänzungsleistungen einführte und 1972 dem Dreisäulenprinzip in der Altersvorsorge (Art. 34quater aBV) zum Durchbruch verhalf. Im Bildungs- und Kulturbereich begleitete er 1972 die Aufhebung des Jesuiten- und des Klosterartikels; für die Hochschulen engagierte sich der Bund in seiner Amtszeit stärker, v.a. ab 1966 durch Subventionen. Mit dem Bildungsartikel, der mehr Planung und Koordination ermöglicht hätte, scheiterte T. 1973 in der Volksabstimmung. 1966-92 präsidierte er die Stiftungsversammlung Pro Senectute, nach seinem Rücktritt aus dem Bundesrat war er 1974-83 Mitglied des IKRK und 1976-88 Präs. des Forum Helveticum. Zudem publizierte er v.a. zu Themen des Sozialrechts. T. verkörperte den Idealtyp des sozialdemokrat. Konkordanzpolitikers.

<b>Hans Peter Tschudi</b><br>Der Bundespräsident bei einer Ansprache vor den Delegierten des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbands, während des Kongresses vom 29. November 1970 in Lausanne (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).<BR/>
Der Bundespräsident bei einer Ansprache vor den Delegierten des Schweizerischen Metall- und Uhrenarbeiterverbands, während des Kongresses vom 29. November 1970 in Lausanne (Schweizerisches Nationalmuseum, Actualités suisses Lausanne).
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Werke
Im Dienste des Sozialstaates, 1993 (Memoiren)
Sozialstaat, Arbeits- und Sozialversicherungsrecht, 1996
Archive
– Teilnachlässe in: BAR, StABS
Literatur
– Altermatt, Bundesräte, 500-505
– B. Degen, Sozialdemokratie, 1993, 83-100

Autorin/Autor: Bernard Degen