Grangie

G. ist die Bezeichnung für die Getreidespeicher, dann für die grossen umfriedeten Hofanlagen, die insbesondere von den Zisterziensern in Eigenwirtschaft betrieben wurden. Um ihre Grundversorgung zu sichern, organisierten die Klöster ihren Landbesitz in Netzen von G.n. In der Blütezeit während des späten 12. und der 1. Hälfte des 13. Jh. verfügten die fünf Zisterzienserklöster der Westschweiz über ca. 40 solcher gemäss dem Prinzip der Gewinnmaximierung betriebenen Gutshöfe; Bonmont hatte fünf, Montheron neun, Hautcrêt sieben, Hauterive neun und Frienisberg acht G.n. Für die alleman. Schweiz sind weitere 10 bis 20 solcher Musterhöfe anzunehmen. Bewirtschaftet wurden die G. von Laienbrüdern oft bäuerl. Herkunft unter der Leitung eines Magisters. Die Überschüsse wurden von den Zisterziensern meist in klostereigenen Stadthöfen verkauft. Die G. spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Kenntnissen und Techniken, über welche der europaweit operierende Orden verfügte. Zu solchen Innovationen im agrar. Bereich zählen die Dreifelderwirtschaft, der Räderpflug, Veredelungstechniken sowie der Anbau neuer Obstsorten. Die veränderten wirtschaftl. Rahmenbedingungen führten im SpätMA zum Niedergang des Grangiensystems.


Literatur
– L. Auberson et al., Notre-Dame d'Oujon (1146-1537): une chartreuse exemplaire?, 1999
– E. Tremp, «Mönche als Pioniere, Die Zisterzienser im MA», in Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik 65, 22002

Autorin/Autor: Philipp von Cranach