No 2

Streuli, Hans

geboren 13.7.1892 Zürich, gestorben 23.5.1970 Aarau, von Richterswil und Wädenswil. Sohn des Jean, Malermeisters, und der Susette geb. Schmidt. ∞ 1922 Clara Pünter. Naturwissenschaftl. Gymnasium in Lausanne, 1916 dipl. Architekt der ETH Zürich, 1918 eigenes Architekturbüro in Wädenswil. 1928-35 FDP-Gemeindepräsident von Richterswil, 1935-53 Zürcher Regierungsrat (Finanzdirektor). Nach dem Scheitern der eidg. Altersvorsorge 1931 lehnte das Stimmvolk 1941 S.s Vorschlag einer kant. AHV ab. Seine Steuerreform, die die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gem. neu regelte, nahm der Zürcher Souverän 1952 an. 1953 erfolgte die Wahl von S., der nie in einem Parlament sass, zum Nachfolger des Sozialdemokraten Max Weber in den Bundesrat, wo er das Finanz- und Zolldepartement übernahm (1957 Bundespräsident). Auf bürgerl. Druck hin verzichtete S. darauf, die Kantonsanteile an den Bundeseinnahmen aufzuheben, schaffte die Luxussteuer ab und senkte die Höchstbesteuerungssätze; im Wesentlichen blieb damit das Steuersystem der Kriegsjahre bestehen. Nach seinem Rücktritt als Bundesrat 1959 präsidierte S. die Nationale Gesellschaft zur Förderung der industriellen Atomindustrie, die Eidg. Bankenkommission, die Pestalozzi-Stiftung und das Schweizer Spital in Paris. S. war Präs. des Organisationskomitees der Schweiz. Landesausstellung 1939 und erhielt dafür 1940 den Ehrendoktortitel der Univ. Zürich (Dr. oec. publ. h.c.). Der als eher wortkarg und undiplomatisch beschriebene S. fiel durch grosse Sachkompetenz auf und legte die Grundlage für spätere Finanzreformen.


Literatur
Altermatt, Bundesräte, 458-462

Autorin/Autor: Katja Hürlimann