28/11/2005 | Rückmeldung | PDF | drucken | 
No 4

Feldmann, Markus

Dieser Artikel wurde für die Buchausgabe des HLS mit einem Bild illustriert. Bestellen Sie das HLS bei unserem Verlag.

geboren 21.5.1897 Thun,gestorben 3.11.1958 Bern, ref., von Glarus und (ab 1940) Bern. Sohn des Markus ( -> 3) und der Maria geb. Zurlinden. ∞ Margrit Beck, Tochter des Walter, Sekundarlehrers. Als Spross einer prot.-konservativen Fam. besuchte er das in pietist. Geist geführte Freie Gymnasium in Bern, dann Rechtsstud. (Mitglied der Zähringia) an der Univ. Bern, 1921 bern. Fürsprecherpatent, 1924 Dr. iur. 1922-28 Redaktor des Organs der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei (BGB) "Neue Berner Zeitung", 1928-45 Chefredaktor. 1933-35 Präs. des Vereins der Schweizer Presse. 1933 entwarf F. die Richtlinien für die Kantonalpartei, 1937 von der schweiz. BGB übernommen. 1935 Bruch mit Hans Müller und Ausschluss der Jungbauernbewegung aus der BGB. 1935-45 und 1947-51 Nationalrat, 1938 Gründer der Gemischten Pressepolit. Komm. und der Parlamentar. Pressegruppe der Bundesversammlung. 1945-51 Regierungsrat (Gemeinde- und Sanitäts-, dann Erziehungs- und Kirchendirektion). 1951 Wahl in den Bundesrat als Nachfolger von Eduard von Steiger (Justiz- und Polizeidep.), dem er in der Ersatzwahl von 1940 unterlegen war. 1956 Bundespräsident.

Von seinem Elternhaus her zwar deutschfreundlich geprägt, bekämpfte F. den Nationalsozialismus aufs entschiedenste. Er setzte sich insbesondere gegen die dt. Versuche zur Gleichschaltung der Schweizer Presse zur Wehr, fand aber die Pressekontrolle, an deren Aufbau er im Armeestab mitarbeitete, für den neutralen Kleinstaat gerechtfertigt. An den Revisionsarbeiten für einen neuen Presseartikel, das Straf- und Verwaltungsrecht und das Strassenverkehrsgesetz, ferner an der Vorlage zur Einführung des eidg. Frauenstimmrechts war F. massgeblich beteiligt. Sein Bekenntnis zum Grundsatz der Solidarität zeigte sich an seinem Bemühen um eine Neuordnung des Flüchtlingswesen nach den Ereignissen in Ungarn (1956). F. setzte sich für die Prinzipien des demokrat. Rechtsstaates und die Erfordernisse eines entsprechenden Staatsschutzes ein. Der im Amt verstorbene F. war eine Persönlichkeit von immenser Arbeitskraft und intellektueller Brillanz, gepaart mit einem gelegentlich grimmigen Humor.


Archive
– BAR, Nachlass
Quellen
Tagebuch 1923-58, 6 Bde., hg. von P. Moser, 2001-2002
Literatur
– Altermatt, Bundesräte, 447-451

Autorin/Autor: Peter Stettler