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Meiringen

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Oberhasli. Das Gebiet der 40 km2 grossen Gem. steigt vom Talboden der Aare (um 600 m) rechtsufrig zum Brünigpass bis auf 1375 m, linksufrig über Alpgebiet zur Wellhornkette bis auf 2961 m an; es umfasst im Tal das Dorf M. an der Strasse zum Grimselpass und zum Sustenpass sowie die ehem. Dörfer bzw. heutigen Ortsteile Sand, Stein, Eisenbolgen, Hausen, Balm, Unterbach und Unterheid sowie am Brünigpass das Dorf Brünigen und auf Talterrassen die Weiler Prasti, Zaun und Wylerli. 1234 Magiringin. 1764 964 Einw.; 1850 2'358; 1900 3'077; 1950 3'640; 1980 4'072; 2000 4'803.

Reste der 1333 erw. Wehranlage Wyghus wurden im Areal Wacht am Brünigpass entdeckt. M. stellte schon im HochMA den kirchl., polit. und wirtschaftl. Mittelpunkt der Talschaft dar. Die 1234 urkundlich bezeugte Kirche M. (Michaelspatrozinium, heutiger Bau vermutlich aus dem 15. Jh., Umbau 1683-84) steht ca. 5 m über den durch Wildbachkatastrophen verschütteten Vorgängerbauten, deren ältester bis ins 10. oder gar 9. Jh. zurückreicht. Das Kirchspiel umfasste ursprünglich das ganze Oberhasli; mit Gründung der ref. Kirchgemeinde Hasle im Grund 1713, die sich später noch weiter aufsplitterte, erhielt die Kirchgemeinde M. ihre jetzige Ausdehnung (heute in die drei Pfarrämter M., Hasliberg und Schattenhalb aufgeteilt). Der Kirchensatz, 1234 vom dt. Kg. Heinrich VII. den Lazaritern in Seedorf (UR) geschenkt, 1272 vom Kloster Interlaken erworben, fiel in der Reformation 1528 an Bern. Die 1486 erbaute Frühmesskapelle mit Beinhaus diente nach 1528 als Zeughaus. Um 1880 erfolgte der Bau des anglikan. Gotteshauses, 1931 derjenige der kath. Kirche Guthirt.

Politisch war M. stets Hauptort: der gesamten Talschaft, der Reichsvogtei Hasli (bis 1334), danach der bern. Landschaft Oberhasli (bis 1798), des Distrikts Oberhasli im Kt. Oberland (1798-1803) und des Oberamts bzw. Amtsbez. Oberhasli im Kt. Bern (seit 1803). Im Dorf hatten die königl. Talamtleute des 13. und 14. Jh. ihren Sitz; der Wohnturm der von Rudenz wird 1363 erwähnt, derjenige der von Resti steht am alten Saumpfad zur Grimsel (Restiturm). Im Dorf kam auch die Landsgemeinde zusammen; das Landschaftsgericht tagte an der Kreuzgasse vor dem Kirchhof, nach 1500 im Landhaus, dem offiziellen Amthaus der Landschaft mit Gerichtsstube und Wirtshaus. Das heutige Amthaus ist Sitz der bern. Bezirksbehörden (Verwaltung; Amtsgericht in Interlaken).

M. war einziger Marktort im Tal mit einem Jahrmarkt (1417 erw.), ab 1490 einem Wochenmarkt. Händler aus dem Unterland und der Lombardei kauften hier die einheim. Exportgüter Vieh, Pferde und Käse ein. Im 17. Jh. stieg die Zahl der jährl. Viehmärkte auf vier. Am Fuss von Brünig-, Grimsel-, Susten- und Jochpass gelegen, war M. Umschlagplatz im Transithandel vom Unterland über die Pässe: Von Brienz her gab es den offiziellen Transportdienst des sog. Landkarrers; in M. lud man auf Saumtiere um. Von 1732 an war die Sust offizielles Lagerhaus. Haupterwerb blieb wie überall im Oberhasli bis ins 19. Jh. die Viehwirtschaft im Tal- und Alpbetrieb. Ursprünglich bestanden sechs Bäuertgemeinden mit Dörfern und Streusiedlungen.

Im 16. Jh. begannen Aarehochwasser die Ebene zu überfluten; in den 1550er Jahren zerstörten sie die Taldörfer Balm und Bürglen (ältester Verhüttungsort für einheim. Eisen), die zu Wüstungen wurden. Unterheid ging durch Wechsel des Aarelaufs 1762 zugrunde (Neuanlage). 1734 wurde die Alpbachmauer als Wildwasserschutz gebaut; wirkl. Abhilfe schaffte aber erst 1866-80 die Aarekorrektion.

Das Bevölkerungswachstum nach 1800 führte zu Verarmung, die trotz Heimindustrie (Holzverarbeitung, -schnitzen) zur Auswanderung v.a. nach Amerika zwang. Ab 1880 leitete der Tourismus den Aufschwung ein; M. wurde Fremdenort und Drehscheibe im Tourismusverkehr. Die Brünigstrasse wurde 1859-61, die Grimselstrasse etappenweise 1847-94 und die Sustenstrasse 1939-46 angelegt; die Brünigbahn nahm 1888 den Betrieb auf. 1913 zählte M. 18 Hotels mit 500 Betten in dem nach Bränden (1879, 1891) neukonzipierten und -erbauten Dorf. In der Krise der Hotellerie während der Weltkriegszeit entstanden Arbeitsplätze beim Bund (Militärflugplatz Unterbach, eidg. Zeughaus, SBB-Depot), bei der Kraftwerke Oberhasli AG, im Gewerbe (Holz-, Bau-, Gastgewerbe) und im Spitalbereich. Die psychiatr. Privatklinik nahm 1919 die ersten Patienten auf. Ab 1950 stieg der Tagestourismus an. Die Gem. verfügt über vier Schulhäuser, eine Sekundarschule (1871), ein Bezirksspital (1891, seit 1999 Teil der "spitäler fmi ag") sowie ein Elektrizitätswerk (1888). Das Heimatmuseum wurde 1968, das Sherlock Holmes Museum 1991 eröffnet.


Literatur
– G. Kurz, C. Lerch, Gesch. der Landschaft Hasli, bearb. von A. Würgler, 1979
– U. Maurer, D. Wolf, Bauinventar der Gem. M., 1999

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler