No 26

Schneider, Johann Rudolf

geboren 23.10.1804 Meienried,gestorben 14.1.1880 Bern, ref., von Nidau. Sohn des Johannes, Wirts, und der Anna geb. Schluep. ∞ Lucie Dunand. Welschlandjahr, Apothekerlehre in Nidau, Medizinstud. in Bern, Berlin und Paris, 1827 Staatsexamen. Ab 1828 führte S. in Nidau eine Arztpraxis und eine Apotheke. Die Regenerationsbewegung von 1830 begrüsste er, sein polit. Denken wies jedoch bald über sie hinaus. Er stand zeitweise der Bewegung Junge Schweiz nahe und wurde 1835 Mitglied des radikalen Schweiz. Nationalvereins. 1833-35, 1836-46 und 1850-66 sass er im Berner Gr. Rat. 1837 wurde S. Berner Regierungsrat (Inneres), wo er bald eine führende Rolle spielte. Als Inhaber einer Druckerei in Biel, dann in Bern, die von seinem Freund Johann August Weingart betrieben wurde, förderte er radikale Veröffentlichungen und gestaltete den Umschwung in Bern von 1845-46 aktiv mit. S. beauftragte Jeremias Gotthelf mit der Abfassung einer Schrift gegen das Kurpfuschertum ("Wie Anne Bäbi Jowäger haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht" 1843-44) und schuf eine moderne Medizingesetzgebung. Unglücklich war seine Armengesetzgebung von 1846, dauerhafter das Gewerbegesetz von 1849. Ab 1846 präsidierte er die bern. Eisenbahnkommission. Obwohl S. eine Staatsbahn vorgezogen hätte, beteiligte er sich massgeblich an der Gründung der Ost-West-Bahn, bei deren Konkurs 1861 er einen Grossteil seines Vermögens verlor. Der Sturz der Radikalen beendete 1850 seine Regierungstätigkeit. Auf nationaler Ebene war er 1841-47 mehrfach Tagsatzungsgesandter. Im Nationalrat, dem S. 1848-66 angehörte, setzte er sich für sein Lebenswerk, die Juragewässerkorrektion, ein. Indem er die Beteiligung des Bundes am Gemeinschaftswerk der betroffenen Kantone erreichte, erwies sich S. als Förderer des bundestaatl. Gedankens. Von 1850 bis zu seinem Tod arbeitete er als Arzt am Berner Inselspital. Dr. h.c. der Univ. Bern. Zofinger.


Archive
– StABE, Nachlass
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 226 f.
– Junker, Bern 2
– W. und M. Bourquin, Biel, stadtgeschichtl. Lex. 1999, 368

Autorin/Autor: Christoph Zürcher