Agent

Als A. oder Nationalagent wurde in der Helvetischen Republik nach franz. Vorbild der Vertreter der Exekutivgewalt auf kommunaler Ebene genannt. Gemäss Art. 103 der Verfassung vom 12.4.1798 war er für die Aufrechterhaltung der helvet. Staatsordnung und den Gesetzesvollzug in den Dörfern und Stadtsektionen verantwortlich. Vom Distriktsstatthalter ernannt, übernahm er neben der Überwachung der polit. Einstellung der örtl. Bevölkerung und der Kontrolle der Durchreisenden bald eine Vielzahl administrativer Aufgaben. Dazu zählten die Bekanntmachung der Beschlüsse der vorgesetzten Behörden, die Bearbeitung statist. Umfragen, die Organisation der Einquartierung und Verpflegung der franz. Besatzungstruppen, die Beurkundung von Handänderungen, die Aufnahme von Erbschaftsinventaren, die Pfandschätzung, die Feuerpolizei, die Durchführung von Viehinspektionen und der Steuereinzug. Sein Pflichtenheft wurde nie gesetzl. umschrieben. 1798 wurde bei der Berufung eines A.en mehr auf seine revolutionäre Gesinnung als auf die polit. Erfahrung geachtet. Zu seiner Unterstützung durfte er gemäss Art. 104 der helvet. Verfassung vom 12.4.1798 zwei Unteragenten ernennen. Sein Amtsabzeichen bestand aus einer um den rechten Arm getragenen grünen Binde. Durch das Gemeindegesetz vom 15.2.1799 verlor der A. einen Teil seiner Kompetenzen und Einkünfte an den von der örtl. Bevölkerung gewählten Präs. der Munizipalität. Der Parlamentsbeschluss vom 11.10.1799, als A.en nur noch Mitglieder der Munizipalität zu verwenden und die Entlöhnung auf die Gem. zu überwälzen, schwächte seine Stellung zusätzlich, liess sich jedoch nur bedingt verwirklichen. Die Überbeanspruchung im Kriegsjahr 1799 und das Ausbleiben einer angemessenen Besoldung bewirkten, dass sich die Demissionen von A.en häuften. Im Gefolge der Staatsstreiche von 1801 und 1802 wurden stets auch viele Agentschaften neu besetzt.


Literatur
– H. Weber, Die zürcher. Landgem. in der Helvetik 1798-1803, 1971, 55-88, 172-177
– M. Manz, Die Basler Landschaft in der Helvetik, 1991, 148-170
– P. Bernet, Der Kt. Luzern z.Z. der Helvetik, 1993, 221-276

Autorin/Autor: Andreas Fankhauser