Gadmen

Ehemalige politische Gemeinde BE, Amtsbezirk Oberhasli, Verwaltungskreis Interlaken-Oberhasli, seit 2014 Teil der Gemeinde Innertkirchen. Die grosse ehemalige Berggemeinde G. im Einzugsgebiet des Gadmerwassers erstreckte sich über 117 km2 vom Talboden (850-1250 m) bis auf 3500 m hinauf. Sie bestand aus den Bäuerten Nessental und G. (1382 im Gadmen) und liegt an der Grenze zu den Kt. Obwalden, Nidwalden, Uri und Wallis. 1764 354 Einw.; 1850 739; 1900 672; 1950 485; 1960 510; 2000 272. Im MA teilte G. die Geschicke der Reichsvogtei Hasli und kam mit ihr 1334 zu Bern. Kirchlich gehörte G. ursprünglich zur Pfarrei Meiringen, wurde 1713 Innertkirchen zugeteilt und 1816 selbstständige Kirchgemeinde. Die ma. Kapelle auf dem Bühl wurde 1722 zur heutigen Pfarrkirche erweitert. Haupterwerb war bis ins 20. Jh. die Alp- und Viehwirtschaft mit privaten Ganzjahresbetrieben in Talsiedlungen und genossenschaftl. Alpweiden. Auf ihnen werden heute v.a. Rinder, Schafe und Ziegen gesömmert; auf Birchlaui, Wenden und der Steinalp bestehen moderne Alpkäsereien. Nebenerwerb floss aus dem Saumverkehr im Tal und über den Sustenpass ins Urnerland. Die Wälder, die mehrheitlich im Besitz der Bäuertgemeinde sind, bieten Schutz vor Lawinen; wegen der Steilheit der Hänge wurden in G. und Obermaad Lawinenschutzbauten erstellt. Im 19. Jh. zwang die Armut viele Einwohner zur Auswanderung nach Nordamerika, obschon allmählich der alpine Tourismus einsetzte. Mit dem Bau der Sustenstrasse 1939-46 erfuhr dieser einen Aufschwung. Zu Beginn des 21. Jh. gab es ein international bekanntes Angebot mit Gebirgskursen (Steingletscher), Kletterrouten (Wendenstöcke) und ab 1993 dem ersten Klettersteig der Schweiz. Mit dem Kraftwerkbau 1952-72 wurde die Kraftwerke Oberhasli AG zur wichtigsten Arbeitgeberin in G.


Literatur
– G. Kurz, C. Lerch, Gesch. der Landschaft Hasli, bearb. von A. Würgler, 1979
– U. Schneeberger, Bauinventar der Gem. G., 2003

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler