• <b>Jakob Stämpfli</b><br>Porträt, um 1860. Fotografie aus dem Studio  Vollenweider & Escher  in Bern (Schweizerische Nationalbibliothek).

No 5

Stämpfli, Jakob

geboren 23.2.1820 Wengi, gestorben 15.5.1879 Bern, ref., von Schwanden (Gem. Schüpfen). Sohn des Hans, Bauern, und der Elisabeth geb. Vonäsch. ∞ 1845 Susanne Rosine Elise Snell, Tochter des Wilhelm Snell. Schwager des Niklaus Niggeler. Ab 1836 Lehre im Amtsgericht Büren, 1840-44 Rechtsstud. in Bern (u.a. bei seinem späteren Schwiegervater). 1840 Eintritt in die radikale Studentenverbindung Helvetia. 1844 Fürsprecher, eigenes Anwaltsbüro, 1845 Mitgründer der "Berner Zeitung" und deren Redaktor. Nach dem Scheitern des 2. Freischarenzugs 1845, an dem S. als einer der Führer der bern. Radikalen teilgenommen hatte, gründete er den Volksverein für den Kt. Bern, der die radikalen Kräfte zusammenfasste. Als Sekr. des Berner Verfassungsrats war S. 1846 massgeblich an der radikalen Verfassungsrevision beteiligt; als Berner Regierungsrat (1846-50, Finanzdirektor, Präs. 1849) ersetzte er die Feudalabgaben durch eine Einkommenssteuer. 1850 nicht wieder in den Regierungsrat gewählt, fungierte S. 1850-54 als Redaktor der "Berner Zeitung", dem Sprachrohr der Opposition gegen die konservative Regierung. Seine Artikel trugen ihm neben zahlreichen Prozessen auch eine Haftstrafe wegen Aufwiegelung ein. 1854 wurde er in die aus Radikalen und Konservativen gebildete "Fusionsregierung" (Baudirektor) gewählt, trat aber nach der Wahl in den Bundesrat im März 1855 zurück.

<b>Jakob Stämpfli</b><br>Porträt, um 1860. Fotografie aus dem Studio  Vollenweider & Escher  in Bern (Schweizerische Nationalbibliothek).<BR/>
Porträt, um 1860. Fotografie aus dem Studio Vollenweider & Escher in Bern (Schweizerische Nationalbibliothek).
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Auf eidg. Ebene bekämpfte S. 1847 als Tagsatzungsgesandter den Sonderbund und gehörte 1848 der Verfassungskommission an. 1848-54 war er Nationalrat (Präs. 1851) und 1851-54 zudem nebenamtl. Bundesrichter. 1854 gewann S. sowohl einen Nationalrats- als auch einen Ständeratssitz und wechselte für kurze Zeit in den Ständerat, wurde aber im Dez. 1854 anstelle seines Weggefährten Ulrich Ochsenbein unerwartet in den Bundesrat gewählt. S. betrachtete die Verkehrs- und Infrastrukturpolitik als Aufgabe der öffentl. Hand und engagierte sich - in klarer Opposition zum wirtschaftsliberalen Flügel um Alfred Escher - für den staatl. Eisenbahnbau. Im Militärdepartement setzte sich S. für eine bessere Ausbildung der Milizarmee ein. Im Neuenburger- (1856) und im Savoyerhandel (1859) behauptete S. als Bundespräsident selbstbewusst die Schweizer Position gegenüber den europ. Mächten, erlebte im Savoyerhandel aber eine Niederlage. 1863 trat S. aus dem Bundesrat zurück. 1864-77 präsidierte er - insgesamt eher glücklos - die neu gegr. Eidgenössische Bank. 1863-79 nahm er erneut im Nationalrat Einsitz, 1864-78 zudem im Berner Grossrat. Zu internat. Ansehen verhalf ihm 1872 seine Rolle im Alabama-Schiedsgericht. Oberst.

S. gilt als einer der bedeutendsten Politiker des 19. Jh. Er prägte den modernen Bundesstaat, indem er versuchte, einen einheitl. Wirtschaftsraum zu schaffen und eine effiziente Verwaltung aufzubauen. Aufgrund seiner Herkunft und seiner direkten Sprache Mann des Volks, war S. als Identifikationsfigur weit herum anerkannt, wenn auch nicht unumstritten.


Archive
– BAR, Nachlass
Literatur
– Junker, Bern 2
– Altermatt, Bundesräte, 143-148

Autorin/Autor: Stephanie Summermatter