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No 4

Ochsenbein, Ulrich

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Vermutlich geboren 11.11.1811,getauft 24.11.1811 Schwarzenegg (Gem. Steffisburg),gestorben 3.11.1890 Port, ref., von Fahrni. Sohn des Kaspar, Wirts, Landwirts und Pferdehändlers, ab 1825 in Nidau. ∞ Emilie Sury, Tochter des Johann, Arztes in Kirchberg. O. durchlief das Gymnasium in Biel, studierte die Rechte an der Akademie in Bern und führte ab 1835 zusammen mit seinem Schwager Eduard Sury ein Advokaturbüro in Nidau. O. stand neben Jakob Stämpfli an der Spitze der Berner Radikalen, war 1845 Anführer des erfolglosen zweiten Freischarenzugs. Im Kt. Bern 1845-46 Grossrat, 1846 Präs. des bern. Verfassungsrats und 1846-48 Regierungsrat. 1847-48 Vertreter Berns an der Tagsatzung und 1847 deren Präsident bei den Beschlüssen über die Auflösung des Sonderbunds und den Übergang zum Bundesstaat. Im Militär war er eidg. Oberst, im Sonderbundskrieg Kommandant einer Reservedivision des Tagsatzungsheers.

Nach seiner Wahl zum Bundesrat (1848) übernahm O. das Militärdepartement. Unter ihm entstand das Bundesgesetz über die Militärorganisation, das die Truppenordnung und den militär. Unterricht regelte. Im Kt. Bern suchte er eine mittlere Position zwischen den Konservativen und den Radikalen um Jakob Stämpfli, mit dem er sich zerstritten hatte. Aus diesem Grund hielten ihn beide Parteien für unzuverlässig. Die Folge war die Nicht-Wiederwahl als Bundesrat 1854. Darauf diente er zweimal kurz in Frankreich als Brigade- (1855) und Divisionsgeneral (1871) und lebte daneben als Gutsbesitzer im Seeland, mit dessen Entwicklung er sich auch publizistisch befasste (Juragewässerkorrektion, Armenfrage). 1882 gehörte O. zu den Mitgründern der Konservativen bern. Volkspartei Ulrich Dürrenmatts, doch gelang ihm trotz mehrerer Kandidaturen kein Wiedereinstieg in die Politik. O.s Temperament und seine Empfindlichkeit machten die Zusammenarbeit mit ihm nicht immer leicht. Höhepunkt seines Erfolgs und seiner Popularität war nicht die Tätigkeit im Bundesrat, sondern sein Wirken als Führer der Freischaren und als Wegbereiter der Bundesverfassung von 1848, die er sich zwar zentralistischer gewünscht hätte, bei der Volksabstimmung im Kt. Bern aber erfolgreich gegen die Nein-Parole Stämpflis verteidigte.


Literatur
– Altermatt, Bundesräte, 109-114
– F. Häusler, «Der letzte Kriegseinsatz einer bern. Heereseinheit», in AHVB 75, 1992, 101-281
– R. Holenstein, O., Erfinder der modernen Schweiz, 2009

Autorin/Autor: Beat Junker