14/08/2009 | Rückmeldung | PDF | drucken | 

Oberwil im Simmental

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Niedersimmental. Ausgedehnte Gem. (45,5 km2) im Simmental, die weite Alp- und Forstgebiete an beiden Talhängen umfasst, mit den Bäuerten O., Hintereggen, Pfaffenried, Bunschen und Waldried. 1278 Oberwile. 1764 855 Einw.; 1850 1'405; 1900 1'225; 1950 1'076; 2000 803. Altsteinzeitl. "Höhlenbärenstationen" an der Gsässfluh (Schnurreloch) dienten als Abri auch in der Spätbronzezeit, so z.B. Chinechäle-/Hühnerholzbalm, Zwergliloch 3, Mamilchloch (mit ma. Funden) und Schlüfloch. Paläolith. Einzelfunde wurden bei Bochtenweidli, meso- oder neolith. bei Wigglenbach entdeckt. Mit dem Königshof Wimmis war ein Teil von O. 994 an die elsäss. Abtei Selz gekommen, den 1276 die Augustinerpropstei Därstetten erwarb. Nicht in Urkunden zu fassen sind die Burgruinen Festi und Heidenmauer. Wohl seit dem 12. Jh. gehörte O. zum Kern der Herrschaft Weissenburg, teilte deren Schicksal und kam 1439 an Bern (Kastlanei Niedersimmental). Die mit Wandmalereien ausgestattete Mauritiuskirche in O. ist als Bersvile 1228 bezeugt, sie wurde im 13. Jh. erstellt und im 14. und 15. Jh. vergrössert. Die Frh. von Weissenburg besassen wohl als Stifter den Kirchensatz, den sie 1326 ihrer Propstei Därstetten abtraten; 1486 kam dieser ans Vinzenzenstift Bern und von diesem 1528 an Bern. Wie im übrigen Simmental ging man in O. spätestens im 16. Jh. zur Viehwirtschaft (Mast, Käseproduktion, im 19. und 20. Jh. auch Zucht) über; diese blieb neben Forstwirtschaft, Kleingewerbe und etwas Tourismus (Ferienhäuser, Skilift) ein wichtiger Erwerbszweig (2005 65% der Arbeitsplätze im 1. Sektor). Der Ort verfügt über eine gute Verkehrslage an der Simmentalstrasse und der Spiez-Zweisimmen-Bahn (Station O., Haltestelle Enge).


Literatur
Simmentaler Heimatbuch, 1938
– D. Andrist et al., Das Simmental zur Steinzeit, 1964
– A. Blatti, Kirche O., 1985
– C. Gyger-Eschler et al., O., 2002

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler