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Muheim, Gustav

geboren 11.9.1851 Altdorf (UR), gestorben 4.4.1917 Altdorf, kath., von Altdorf. Sohn des Alexander ( -> 1). Bruder des Karl ( -> 18). Enkel des Dominik Epp (1776-1848), Neffe des Dominik Epp (1810-85). ∞ Anna Arnold, Tochter des Josef Arnold. Primarschule und Kantonsschule in Altdorf, Gymnasium in Altdorf und Freiburg. 1869-73 Stud. der Philosophie und der Rechtswissenschaften in Würzburg, Heidelberg und Zürich (lic. iur.). 1891 Ehrenmitglied des Schweiz. Studentenvereins. Gründer, Mitbesitzer und Redaktor des "Urner Wochenblatts". Von Haus aus reich, absolvierte M. eine glänzende polit. Karriere. Er amtierte 1874-82 als Urner Landrat, 1875-79 als Gemeindepräsident von Altdorf, 1877-1901 als Ständerat (1891 Präs.), 1882-1903 als Regierungsrat (zuerst Justiz- und Militärdirektor, dann Justiz- und Polizeidirektor, schiesslich Finanzdirektor), 1884-88, 1892-96 und 1898-1902 als Landammann sowie 1905-11 als Nationalrat. 1891 war M. einer der - auch von den Freisinnigen akzeptierten - Anwärter der Kath.-Konservativen für die Bundesratswahl; er verzichtete aber aus familiären Gründen auf eine Kandidatur. Er präsidierte 1892-95 die kath.-konservative Fraktion der Bundesversammlung und leitete die Tagung in Luzern, aus der im Aug. 1894 die Kath. Volkspartei hervorging. Dieser stand er 1894-95 als Präsident vor. In den eidg. Räten engagierte M. sich für die Bundesunterstützung der Altertumssammlungen, die Einrichtung des Landesmuseums und der Landesbibliothek sowie für das Eidg. Polytechnikum. Auf Kantonsebene zeichnete M. für die Abfassung vieler Gesetze verantwortlich. Er trug massgeblich zur Totalrevision der Urner Kantonsverfassung 1888 bei: Er arbeitete als Präs. der Verfassungskommission den Entwurf mit aus, bewegte die Landsgemeinde zur Annahme des neuen Grundgesetzes und spielte bei dessen Umsetzung auf Gesetzesebene eine führende Rolle. Als Finanzdirektor bemühte er sich um einen ausgeglichenen Staatshaushalt. M. setzte sich für die Restaurierung der Urner Baudenkmäler, die Gründung des Vereins für Geschichte und Altertümer von Uri, die Errichtung des Telldenkmals in Altdorf, die Gründung des kant. Kollegiums in Altdorf und die Einrichtung einer Erziehungsanstalt für arme und verwahrloste Kinder ein. Der gemässigte Vertreter des polit. Katholizismus vertrat in allen Ämtern den Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit. 1891-1902 Verwaltungsrat der Gotthardbahn und 1892-1917 der Dampfschiffgesellschaft Vierwaldstättersee (1912-14 Präs.), 1888-89 sowie 1894-1902 Verwaltungsratspräsident der Ersparniskasse Uri. 1887 Major.


Literatur
– Gruner, Bundesversammlung 1, 301 f.
– J.J. Stadler, Landammann und Ständerat Gustav M. (1851-1917) von Altdorf, 1973

Autorin/Autor: Hans Muheim