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Diemtigen

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Polit. Gem. BE, Amtsbez. Niedersimmental. Die ausgedehnte Berggem. umfasst das zum Simmental geöffnete Diemtigtal mit Nebentälern und besteht aus den Bäuerten Oey (Zentrum), D., Bächlen, Horben, Riedern, Entschwil, Zwischenflüh, Schwenden sowie seit 1992 der Bäuert "Sporthalle Diemtigtal". Weite Alp- und Waldgebiete breiten sich an den umliegenden Berghängen aus. 1257 Diemtingen. 1764 1'138 Einw.; 1850 2'150; 1900 2'014; 1950 2'049; 1970 1'913; 2000 2'054.

Evtl. mesolith. Siedlungsspuren (Abri am Oeyenriedschopf) sowie ein bronzezeitl. Dolch (Bergli) weisen auf prähistorische menschl. Präsenz hin. Das Tal war im HochMA besiedelt und herrschaftlich strukturiert. Davon zeugen Reste urkundlich nicht belegter Wehrbauten, so die Burgruine Kronegg (Eggwald) und die Warte Grafenstein (Oey). Die Hasenburg (1257 castrum de Diemtingen) auf dem Burghubel nördl. von D. war im 12.-13. Jh. Zentrum der Talherrschaft der Frh. von Strättligen. Spätere Inhaber waren die Adelsfam. von Raron, Kyburg (1257), Weissenburg (1307) und Brandis (1369). Von den Bernburgern von Scharnachtal erwarb Bern das Tal mit hohen und niederen Gerichten 1439 und fügte es zur Kastlanei Niedersimmental. 1798-1803 gehörte D. zum helvet. Kt. Oberland. Die 1314 erstmals erw. Kirche in D. (Nikolauspatrozinium, rom. Saalbau, um 1490 erweitert) war Filiale von Erlenbach im Simmental und wurde z.Z. der Reformation 1527 auf Wunsch der Talleute zur Pfarrkirche. Dem 1844 geäusserten Begehren der entfernten Bäuerten nach einer eigenen Kirchgem. kam 1911 der Bau der Kapelle Schwenden entgegen. 1361 und 1393 erwarben die Talleute von der Herrschaft Privilegien (Erbrecht, Fixum statt Herrschaftssteuer). 1649 wurde das Landrecht kodifiziert. Die Siedlungen verraten ihre spätma. Anlage. Der Baubestand datiert z.T. ins 15. Jh. Säumerwege erschlossen das Tal, und in Bächlen steht die um 1500 erbaute ehemalige Säumerherberge. Passübergänge führten nach Adelboden, Lenk und Zweisimmen. Die Bäuerten sind ab dem 13. Jh. urkundlich erwähnt. Vom 16. Jh. an nahm die Viehwirtschaft im Tal-, Vorsass- und Alpbetrieb zu. Vieh wurde exportiert, Korn im Unterland gekauft. Bergbau (Silber, Kohle) wurde zur selben Zeit mit wenig Erfolg betrieben. Mangelnder Verdienst führte zur Abwanderung, vor 1800 in den Solddienst, danach v.a. nach Nordamerika, Deutschland und Russland. Versch. Heilbäder mit Eisen-, Schwefel- und Gipswasser - bekannt v.a. das Rothbad in Horben (18. Jh.) und das Kurhaus Grimmialp in Schwenden (1899) - sind Vorläufer des modernen Tourismus. Ab 1963 entwickelten sich Winter- und Sommersport (Skifahren, Langlaufen, Wandern, Gleitschirmfliegen usw.); Hotels, Ferienwohnungen und -lager entstanden. Erwerbszweige waren Ende des 20. Jh. Viehzucht mit Alpwirtschaft (Käserei) sowie ein vielfältiges Gewerbe, v.a. in der Holzverarbeitungs- und Baubranche. D. ist mit 107 Alpen die "grösste Alpwirtschaftsgem. der Schweiz". Von diesen sind 46% in auswärtigem Besitz, v.a. von Kt. und Burgergem. Bern. Nebenerwerb bieten Tourismus und Forstwirtschaft. Nahe der Simmentalstrasse und an der Spiez-Zweisimmen-Bahn (Station 1897) gelegen, hat sich Oey zum Zentrum von D. entwickelt, mit der Gemeindeverwaltung, Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben sowie 27% der Einwohner (1993). In den Bäuerten erfüllen sog. Schul-, Weg-, Wald- und Wassergem. bestimmte kommunale Aufgaben. Die Gem. D. erhielt 1986 den Wakker-Preis für ihr Bemühen um den Schutz der Streusiedlungslandschaft. Sie unterhält acht Schulhäuser und bildet einen Sekundarschulverband mit Erlenbach im Simmental. Regelmässig fallen Wildbachverbauungen an.


Literatur
– U. Stucky, Ortsplanung D., 1975
– H. Trachsel, Diemtigtal, 1979
– O. Nyffeler et al., Diemtigtal, 1992
– C. Kessler Loertscher, Bauinventar der Gem. D., [1995]
D., 1997

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler