Universität der italienischen Schweiz

1844 scheiterte aus finanziellen Gründen und lokalpatriot. Rivalitäten im Tessin ein erster Versuch zur Gründung eines universitären Instituts, in dem die künftigen Eliten zur Modernisierung des jungen Kantons hätten ausgebildet werden sollen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., als die Verteidigung der Italianità im Vordergrund stand, tauchte die Idee wieder auf, doch stiessen die Vorschläge, eine Tessiner Universität oder eine eidg. Hochschule der ital. Schweiz zu schaffen, auf Skepsis und heftigen Widerstand. Zudem wurden Vorwürfe laut, einzelne Förderer wie die Tessiner Sektion der Dante Alighieri-Gesellschaft sympathisierten mit dem Irredentismus. In der Zwischenkriegszeit fochten antifaschist. Kreise erfolglos für eine Universität. Schliesslich kam das Anliegen in den 1970er Jahren aufgrund der starken Zunahme der Studenten aus dem Tessin erneut aufs Tapet und mündete im Projekt Centro universitario della Svizzera italiana mit den Schwerpunkten regionale Studien und Weiterbildung der Dozierenden. Der Tessiner Grossrat hiess die Vorlage gut, aber in der Referendumsabstimmung 1986 scheiterte das Zentrum am Vorwurf, es komme nur wenigen zugute. Erst das Gesetz vom 3.10.1995 schuf die Grundlage für die U., wobei es zwei Initiativen in sich vereinte: eine Architekturakademie in Mendrisio sowie die zwei Fakultäten der Wirtschafts- und der Kommunikationswissenschaften in Lugano. Letztere wurden von einer Stiftung der Stadt Lugano gefördert, bis man die beiden Fakultäten 2002 nach einer Gesetzesänderung dem Kanton unterstellte. Im Studienjahr 1996-97 öffnete die U., die weitere Institute und Forschungszentren umfasst, ihre Tore für die ersten 326 Studierenden. 2004 kam die Fakultät für Informatik dazu. Der Campus Lugano beherbergt seit 1993 auch eine kath.-theol. Fakultät, die allerdings nicht zur U. gehört. Als öffentl.-rechtl., unabhängige Institution verfügt die U. im Bereich der Verwaltung (Finanzierung,Verhältnis zu Dozierenden und Forschern) über Autonomie. Sie weist ferner eine hohe Anzahl ausländ. Studierender auf: 2010 waren es 1'813 von 2'852 Personen (64%), davon 1'086 aus Italien. 798 Studenten (28%) stammten aus dem Tessin, 241 (8%) aus der übrigen Schweiz. Ferner zählte die U. 2010 750 Mitarbeiter, darunter rund 90 Lehrstuhlinhaber.


Literatur
– A. Petralli, S. Vassere, L'università della comunicazione, 1994
– «L'Università oggi: quali prospettive?», in Il Protagora 34, 2006, Nr. 7, 5-85

Autorin/Autor: Marco Marcacci / CN