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Karrer, Karl

geboren 22.3.1815 Bümpliz (heute Gem. Bern), gestorben 18.4.1886 Sumiswald, ref., von Bümpliz. Sohn des Mathias, Schneiders, aus Baden (Deutschland), ab 1808 von Bümpliz. ∞ Elise Burger, Tochter des Samuel, Arztes in Sumiswald. Kantonsschule in Bern, 1834-39 Rechtsstudium an der Univ. Bern, 1841 Fürsprecherpatent. Sekr. des Baudepartements des Kt. Bern, 1846-50 Regierungsstatthalter in Trachselwald (nach dem konservativen Wahlsieg nicht mehr bestätigt), 1850-86 Fürsprecher in Sumiswald. 1850-86 radikaler Berner Grossrat, lehnte die Wahl in den Regierungsrat 1855, 1861 und 1862 ab, 1848-86 Nationalrat (1861-62 Präs.).

K. begann seine polit. Laufbahn als typ. Altradikaler unter dem Freischarenregime der 1840er Jahre. In der Folge gehörte er zu den gemässigten, unabhängigen Freisinnigen, die sich als Bindeglied zwischen dem älteren Liberalismus und dem Radikalismus der "jungen Schule" verstanden. Dem Ausbau der direktdemokrat. Instrumente im Gefolge der Demokrat. Bewegung stand er skeptisch gegenüber. Als langjähriges Mitglied der Staatswirtschaftskommission des Kt. Bern spielte er bei der Überwachung des Staatshaushalts und in Rechtsfragen eine wichtige Rolle. Als insbesondere in der Eisenbahnpolitik sehr wichtiger Verwaltungsrat der Berner Kantonalbank, zählte K. mit Gottlieb Berger zu den "Magnaten des Emmentals". Er setzte sich auch für die Korrektion der Gr. Emme ein. Auf Bundesebene ist sein Name mit der festen Haltung in aussenpolit. Fragen und mit der Mission als eidg. Kommissar während der Unruhen im Tessin anlässlich des Streits um die Kantonshauptstadt 1870 verbunden. Er war Vertreter des Bundes im Verwaltungsrat der Gotthardbahn. Zofinger.


Literatur
– K. Widmeier, Die Entwicklung der bern. Volksrechte 1846-1869, 1942, 191 f.
– E. Gruner, Edmund von Steiger, 1949, 59
– Gruner, Bundesversammlung 1, 185

Autorin/Autor: Peter Stettler