• <b>Entomologie</b><br>Metamorphose eines Eulenfalter-Paars. Tafel im Werk "Metamorphosis insectorum surinamensium" von  Maria Sibylla Merian,   das 1705 in Amsterdam erschien (ETH-Bibliothek Zürich, Alte und Seltene Drucke). Die Naturforscherin, die auf einer zweijährigen Expedition in Niederländisch-Guyana Schmetterlinge sammelte, notierte an den Rand dieser Zeichnung: "Am 14. April 1700 haben sie sich in Puppen verwandelt. Am 12. Juni schlüpften nebenstehende Eulenfalter heraus. Der untere ist das Männchen, der grössere obere das Weibchen."

Entomologie

Die E. oder Insektenkunde ist ein Teilgebiet der Zoologie. Die Formenvielfalt und Schönheit der Insekten macht sie zu einer ars amabilis, die ein breites Interesse ausgelöst hat. Amateure spielten und spielen in der E. eine hervorragende Rolle. Oft farbig illustrierte Werke machten die E. schon früh einem breiteren Publikum zugänglich: Dazu gehören Arbeiten von Johannes Bauhin (1541-1612), Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733), Maria Sibylla Merian (1647-1717), Johann Heinrich Sulzer (1735-1814), Johann Rudolf Schellenberg (1740-1806) und Johann Kaspar Füssli (1743-86).

<b>Entomologie</b><br>Metamorphose eines Eulenfalter-Paars. Tafel im Werk "Metamorphosis insectorum surinamensium" von  Maria Sibylla Merian,   das 1705 in Amsterdam erschien (ETH-Bibliothek Zürich, Alte und Seltene Drucke).<BR/>Die Naturforscherin, die auf einer zweijährigen Expedition in Niederländisch-Guyana Schmetterlinge sammelte, notierte an den Rand dieser Zeichnung: "Am 14. April 1700 haben sie sich in Puppen verwandelt. Am 12. Juni schlüpften nebenstehende Eulenfalter heraus. Der untere ist das Männchen, der grössere obere das Weibchen."<BR/>
Metamorphose eines Eulenfalter-Paars. Tafel im Werk "Metamorphosis insectorum surinamensium" von Maria Sibylla Merian, das 1705 in Amsterdam erschien (ETH-Bibliothek Zürich, Alte und Seltene Drucke).
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1858 wurde die Schweiz. Entomolog. Gesellschaft (SEG) als älteste Sektion der Schweiz. Naturforschenden Gesellschaft gegründet. Ihr Ziel war die Erforschung der einheim. Insektenfauna. Seit 1862 gibt sie die "Mitt. der Schweiz. Entomolog. Gesellschaft" heraus. Es entstanden lokale Sektionen, die z.T. eigene Publikationsorgane führen: Bern (1858), Basel und Genf (beide 1905), Zürich (1911), St. Gallen (1941), Waadt (1945), Luzern (1976), Neuenburg (1980), Wallis (1993), Freiburg (1995).

Die entomolog. Forschung befasste sich zu Beginn vorrangig mit der Schaffung von Bestimmungsliteratur und der Inventarisierung von Insekten, aber auch mit deren Biologie. So publizierte die SEG 1864-83 die erste Serie einer "Fauna insectorum Helvetiae". Unter dem gleichen Titel folgten 1886-1915 Bestimmungsschlüssel für mehrere Insektengruppen. Finanzielle Schwierigkeiten setzten dem Unternehmen ein Ende. Erst dank der Unterstützung durch den Schweiz. Nationalfonds konnte 1959 mit einer neuen Serie ("Insecta Helvetica") begonnen werden.

Neben privaten Forschern beschäftigten sich auch versch. Schweizer Museen mit der E., wo mit der Zeit bedeutende Sammlungen entstanden (Muséum d'histoire naturelle de la Ville de Genève, Naturhist. Museum Basel, Musée cantonal de zoologie in Lausanne). An den Hochschulen wurde die E. anfänglich oft von Professoren anderer Lehrstühle unterrichtet, so am Polytechnikum Zürich durch den Botaniker Oswald Heer. Entomologen fanden sich auch an Zoolog. Instituten mit engen Kontakten zu Museen, wie in Basel und Lausanne, oder später in Freiburg und Neuenburg. Nur an der ETH Zürich bestand 1928-93 ein eigenständiges Entomolog. Institut. Seine Errichtung stand im Zusammenhang mit der Intensivierung der Landwirtschaft und dem Mehranbau während des 2. Weltkriegs (Anbauschlacht).

Dabei gewann die angewandte E. auf Kosten der systemat. und faunist. Forschung an Bedeutung. Es entstanden Stellen für Entomologen an kant. land- und forstwirtschaftl. Forschungsanstalten, aber auch in der chem. Industrie. Der Schwerpunkt dieses Forschungszweigs bestand zunächst in der Entwicklung wirksamer chem. Insektizide (DDT, Lindan usw.). Die Problematik der Resistenzbildung sowie der chem. Belastung der Biosphäre verlangte später nach neuen Konzepten wie dem integrierten Pflanzenschutz, der biolog. Schädlingsbekämpfung (Schädlinge) und der biolog. Unkrautbekämpfung. Seit 1990 erstellt das Centre suisse de cartographie de la faune (CSCF) in Neuenburg Kataloge und Verbreitungskarten. Seit 1998 werden die "Insecta Helvetica" der SEG und die "Documenta faunistica Helvetiae" des CSCF gemeinsam als "Fauna Helvetica" weitergeführt. Heute spielt die E. auch bei der Beurteilung von Umweltschutzmassnahmen eine grosse Rolle.


Literatur
– A.E. Jäggli, «Ältere entomolog. Werke und schweiz. Kleinmeister der Insektendarstellung», in Mitt. der Schweiz. Entomolog. Ges. 31, 1958, 191-204
– W. Sauter, «Der Stand der faunist. Erforschung der Schweiz», in Foliae entomologicae hungariae 27, Suppl., 1974, 265-274
– J. Wüest, «L'entomologie genevoise, du XVIIIe siècle à nos jours», in Bull. de la Société entomologique de France 88, 1983, 143-154
– T. Wildbolz, «Integrierter Pflanzenschutz: Ziele, Entwicklungen», in Revue suisse de zoologie 101, 1994, 905-909
– L. Straumann, Nützl. Schädlinge, 2004

Autorin/Autor: Willi Sauter