Sutz-Lattrigen

Polit. Gem. BE, Amtsbez. Nidau, Verwaltungskreis Biel, am rechten Bielerseeufer mit den Dörfern Sutz (1228 Soz, 1262-63 Souz) und Lattrigen (1270 Lattringun). 1764 154 Einw.; 1850 363; 1900 375; 1950 479; 2000 1'151. Kleinfunde aus dem Neolithikum von der Lüscherz- und Auvernier-Kultur bis in die Bronzezeit verweisen auf prähist. Ufersiedlungen (Pfahlbauten). Diese sind so bedeutend, dass sie mit anderen Siedlungen rund um die Alpen 2011 in den Katalog des Unesco-Welterbes aufgenommen wurden. Spätbronzezeitl. Gräber liegen unweit der ma. Kirche. Beide Orte gehörten zur Herrschaft der Gf. von Neuenburg-Nidau und kamen 1398 an Bern, das sie mit Mörigen im Gerichtsviertel Lattrigen der Landvogtei Nidau verwalten liess. Als Grundbesitzer erscheinen versch. Herren wie die von Jegistorf, von Ilfingen und von Mörigen, später waren es Berner und Nidauer Stadtbürger. Durch Donationen gelangten Klöster wie St. Alban in Basel, Frienisberg, Gottstatt und die Komturei Münchenbuchsee in den Besitz von Gütern in S., die mit der Reformation 1528 an Bern fielen. 1798 wurde S. dem Distrikt Seeland und 1803 dem Oberamt (später Amtsbez.) Nidau zugeteilt. Die 1228 erw. Kirche in Sutz mit rom. Schiffsmauern, einem um 1485 errichteten Turm und einem Chor von 1510 gehörte einst den Frh. von Jegistorf, die den Kirchensatz mit weiterem Besitz 1289 der Abtei Gottstatt vergabten. Mit der Säkularisation der Abtei 1528 gelangte der ganze Besitz an Bern. Die Kirchgemeinde umfasste auch Tüscherz und Alfermée am gegenüberliegenden Seeufer. 1879 wurde sie aufgehoben: S. kam zur Kirche Nidau, löste sich 1993 von dieser und bildet heute wieder eine eigene Kirchgemeinde. Die beiden durch die Kirche und die gemeinsame Schule verbundenen Zelgdörfer verstanden sich als eine einzige polit. Gemeinde und Burgergemeinde. Neben Acker- und etwas Rebbau lebten die Einwohner auch von der Fischerei. Im 17. Jh. baute Bern den Hafen Lattrigen mit einer Anlegestelle, die mit einem Kornhaus als Umschlagplatz genutzt wurde (sog. Frienisberglänti). Seit 1916 ist die Gem. durch die Biel-Täuffelen-Ins-Bahn mit Biel verbunden, was die Industrie - u.a. das Kies- und Betonwerk und eine Werkzeugfabrik - förderte; Arbeitsplätze boten auch die Landwirtschaft (v.a. im Obst- und Kirschenbau) sowie das Kleingewerbe. Mit dem starken Siedlungsbau ab 1950 wuchsen die beiden Dorfkerne zusammen. Die drei Badewiesen, darunter das Bad des Von-Rütte-Guts, sind beliebte Ausflugsziele.


Literatur
– P. Aeschbacher, Stadt und Landvogtei Nidau von den Anfängen bis ins 16. Jh., 1929
– E.H. Nielsen, Sutz-Rütte, 1989
– D. Wolf, Bauinventar der Gem. S., 2004

Autorin/Autor: Anne-Marie Dubler