Sabahaddin

geboren 1879 (?) Istanbul,gestorben 30.6.1948 Neuenburg, Muslim, Osmane. Sohn des Mahmud Celaleddin Pascha und der Seniha Sultan, Schwester des Abdulhamid II., Sultans des Osman. Reichs. Vielseitige Ausbildung am osman. Palast. Ende 1899 floh S. mit Bruder und Vater, der sich mit Abdulhamid II. überworfen hatte, zuerst nach Grossbritannien, dann nach Genf, dem Zentrum der osman. Opposition gegen den Sultan. Nach einer Verwarnung durch den Bundesrat verliessen sie 1900 Genf und gingen nach Paris und London. S. befürwortete damals die revolutionäre Gewalt und führte die Opposition im Exil an. Nach der jungtürk. Revolution und der Machtergreifung des Komitees für Einheit und Fortschritt 1908 kehrte er ins Osman. Reich zurück. Als Befürworter eines föderativen Reichs lag S. aber nicht im zentralist. und ethnonationalist. Trend der Zeit. Seine Liberale Partei wurde 1909 verboten und er musste 1913 erneut fliehen. Den 1. Weltkrieg verbrachte er als Haupt der Kriegsgegner in der Westschweiz. 1918 kehrte S. im Glauben, seine polit. Vision verwirklichen zu können, nach Istanbul zurück, wurde aber 1924 von den siegreichen Nationalisten unter Mustafa Kemal (später Atatürk) verbannt. Sein Projekt einer demokrat. Türkei mittels Dezentralisierung und Privatinitiative enthielt Elemente der Sozialtheorien von Edmond Demolins und Frédéric le Play. Ab 1924 lebte S. zurückgezogen in der Schweiz.


Literatur
– H. Bozarslan, «Le Prince S. (1879-1948)», in SZG 52, 2002, 287-301

Autorin/Autor: Hans-Lukas Kieser