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Nietzki, Rudolf

geboren 9.3.1847 Heilsberg (Ostpreussen, heute Lidzbark Warmiński, Polen), gestorben 28.9.1917 Neckargemünd (Baden, D), prot., Preusse. Sohn des Carl Johann Emil, Pfarrers, Rektors und Schriftstellers, und der Marianne (Nachname unbekannt). ∞ 1880 Minna Bickerle. Gymnasium in Königsberg. Apothekerlehre in Zinten (heute Kornewo, Russland) und Kreuzburg (Schlesien, heute Kluczbork, Polen), 1865 Abschluss. Apotheker in Hirschberg (Schlesien), Bekanntschaft mit dem späteren Erfinder der Chemotherapie, Paul Ehrlich. 1867-70 Stud. der Pharmazie in Berlin. Militärapotheker im Dt.-Franz. Krieg, Gefangenschaft. 1871-74 Privatassistent von August von Hofmann in Berlin, 1874 Promotion in Göttingen. Industriechemiker bei Matthes & Weber in Duisburg. Ab 1876 Assistent von Antoine Franchimont in Leiden. 1879-84 bei Kalle & Co. in Biebrich am Rhein, dann bei Geigy in Basel. 1884 Habilitation unter Jules Piccard, ab 1887 ao. und 1895-1911 o. Prof. für Chemie in Basel. N. trug Entscheidendes bei zur wissenschaftl. Fundierung einer neuen Klasse von synthet. Farbstoffen, gewonnen aus Steinkohlenteer. Eine von ihm aufgestellte Theorie führt die Farbwirkung auf Chinonsysteme zurück (N.s Chinontheorie). Als Analytiker gelang ihm u.a. die Entdeckung des Biebricher Scharlachs (1878) und des Beizenfarbstoffs Alizaringelb (1887). N. gilt als Begründer der Basler Chemieschule.


Werke
Chemie der organ. Farbstoffe, 1888 (51906)
Literatur
Helvetica Chimica Acta 1, 1918, 343-430
Dt. Apotheker-Ztg. 137, 1997, 1102 f.
NDB 19, 248

Autorin/Autor: Martin Kurz