Aserbaidschan

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Nach dem Zusammenbruch des zarist. Russlands proklamierte in Tiflis ein Muslim. Nationalrat am 28.5.1918 eine unabh. Aserbaidschan. Republik, die vom schweiz. Bundesrat nicht anerkannt wurde. Im April 1920 übernahmen die bolschewist. Kräfte die Macht und errichteten die Aserbaidschan. Sowjetrepublik, die 1922 in die Transkaukas. Sozialist. Föderative Sowjetrepublik integriert wurde. 1936 wurde A. Unionsrepublik der UdSSR. Während des 2. Weltkriegs internierte die Schweiz ca. 450 Aserbaidschaner, die auf der Seite der Achsenmächte gekämpft hatten. Die Weigerung der Schweiz, diese auszuliefern, belastete das schweiz.-sowjet. Verhältnis bis anfangs der 1950er Jahre. Die Mehrzahl unter ihnen verliess ab 1948 die Schweiz und wanderte in die Türkei aus.

Nach der Auflösung der Sowjetunion erklärte A. am 30.8.1991 seine Unabhängigkeit. Am 23.12.1991 anerkannte der Bundesrat den transkaukas. Staat, dessen diplomat. Betreuung von Moskau aus erfolgt. Der aserbaidschan. Botschafter in Bonn ist auch in Bern akkreditiert. 1996 wurden für 0,6 Mio. Fr. (1992 0,2 Mio.) aserbaidschan. Waren (v.a. Textilien, agrar. Produkte) und Dienste importiert, während die Exporte schweiz. Produkte (v.a. Maschinen, Kunststoffe) nach A. im gleichen Jahr 5,2 Mio. Fr. (1992 1,2 Mio.) betrugen. Trotz geschäftl. Beziehungen versch. schweiz. Unternehmen mit A. (ABB, Novartis Agro, UBS, Leica) sind bislang keine Direktinvestitionen in A. getätigt worden (keine Exportrisikogarantie). Bis heute haben die Schweiz und A. keine umfassenderen bilateralen Abkommen geschlossen. 1993-96 unterstützte die Schweiz A. sowohl mit direkter humanitärer Hilfe (1994 Nahrungsmittel- und Flüchtlingshilfe für 1 Mio. Fr.) als auch in multilateralem Rahmen von Hilfsprogrammen für die gesamte Kaukasusregion (UNHCR, IKRK). Als Mitglied der OSZE-Troika (1995-97) bemühte sich die Schweiz insbes. um die Lösung des Konflikts um Nagornyi Karabach. Seit 1992 ist A. in der Schweizer Stimmrechtsgruppe der Institutionen von Bretton Woods vertreten.


Archive
– EDA, Dok.
Literatur
– H. Klarer, Die schweiz. Praxis der völkerrechtl. Anerkennung, 1981
– T. Steffen, «Gegensätzl. Partner», in SQ 21, 1995, 45-92

Autorin/Autor: Therese Steffen Gerber