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Büren, Otto von

geboren 19.9.1822 Bern, gestorben 25.12.1888 Bern, ref., von Bern. Sohn des Albrecht Rudolf ( -> 1). ∞ Henriette von Sinner, Tochter des Friedrich, Gutsbesitzers in Märchligen bei Bern. Besuch der Wenger'schen Privatschule, der Schule Bouterweck-Wagner und der Realschule in Bern. Vorlesungen an der Univ. Bern zu Schweizer Geschichte und Recht, 1839 Studienaufenthalt in Neuenburg. Nach diversen Auslandaufenthalten Gutsbesitzer auf dem Schosshaldengut der Fam.

1849-64 Gemeinderat von Bern, 1864-87 Stadtpräs., 1850-88 Grossrat, 1864-84 Nationalrat. 1875 Oberstbrigadier. Auf kommunaler Ebene machte sich B. - neben seiner Tätigkeit in der Burgergemeinde - verdient um die Gas- und Wasserversorgung der Stadt Bern. Im Gr. Rat, in dem B. ab 1866 als Führer der konservativen kant. Opposition wirkte, bekämpfte er als Befürworter der privaten Wohltätigkeit das Armengesetz von 1857 und lehnte auch die Kulturkampfpolitik der Regierung ab. Im Nationalrat war er lange Zeit der einzige Berner, der nicht der radikalen Partei angehörte. Die Vereinheitlichung des Militär- und Rechtswesens, das Fabrikgesetz und die Totalrevision der Bundesverfassung waren hier seine zentralen Anliegen. Zu den Mitgliedern der kath.-konservativen Opposition in den eidg. Räten und den Gesandten der konservativ-monarchist. Mächte unterhielt er - unter Wahrung seines stets unabhängigen Standpunktes - freundschaftl. Beziehungen.

Geprägt durch die ref.-konservativen Grundanschauungen seiner burgerl. Herkunft ging B. klar auf Distanz zum Radikalismus seiner Zeit. Seine religiöse Überzeugung war für ihn Richtschnur seines politischen und karitativen Handelns. Als Vertreter des Berner Pietismus entfaltete er eine reiche Tätigkeit in kirchlichen und gemeinnützigen Organisationen der Stadt und des Kt. Bern. 1870-71 war er Mitglied der Schweizer Hilfsdelegation für das belagerte Strassburg. Immer wieder engagierte er sich für den Gedanken einer internationalen evang. Allianz.


Archive
– BBB, Nachlass
Literatur
– Gruner, Bundesversammlung, 150 f.

Autorin/Autor: Peter Stettler