Biologische Waffen

B. (oder B-Waffen) sind Massenvernichtungsmittel in Form lebender Organismen oder von ihnen stammender infektiöser Stoffe, welche in feindl. Absicht eingesetzt werden, um Krankheit oder Tod bei Menschen, Tieren oder Pflanzen zu verursachen. Im Gegensatz zu Atomwaffen und Chemischen Waffen spielten die B. in der Schweiz eine untergeordnete Rolle. Das Genfer Protokoll vom 17.6.1925, das neben der Ächtung der chem. Waffen auch das Einsatzverbot von B. enthält, wurde von der Schweiz 1925 unterzeichnet und 1932 ratifiziert. 1976 ratifizierte sie die B-Waffen-Konvention vom 10.4.1972, welche Einsatz, Entwicklung, Herstellung, Lagerung und Besitz, nicht aber Forschung und Entwicklung von Abwehrmassnahmen verbietet. Unfälle mit B. (so 1979 Milzbrand in Swerdlowsk, UdSSR, heute Jekaterinburg, Russland) und die Diskussion um die Biotechnologie weckten in den 1980er Jahren weltweit das Interesse an einer besseren Kontrolle und der Durchsetzung des B-Waffen-Verbots (Überprüfungskonferenzen: 1980, 1986, 1991, 1996). In den 1991 wieder aufgenommenen Verhandlungen zur Überarbeitung der B-Waffen-Konvention von 1972 trat die Schweiz für die Einführung von wirkungsvollen Verifikationsinstrumenten ein. Als Antwort auf eine mögliche biolog. Kriegführung baute die Armee nach dem 2. Weltkrieg einen eigenen B-Dienst (B-Kompanie 18, ab 1995 Biolog. Dienst der Armee 18, BDA 18) auf. Dieser betrieb 2001 mit rund 200 Fachspezialisten im Milizsystem sieben Biologielabors. Seit 1987 besteht zudem am AC-Laboratorium Spiez (ab 2001 Labor Spiez) eine Fachstelle bzw. seit 2001 eine Fachsektion Biologie, welche die weltweite Entwicklung im Bereich der B. verfolgt, internat. Expertentätigkeit ausübt (u.a. mit der Teilnahme an den Inspektionen des irak. B-Waffenprogramms 1998), und Exportkontrollen durchführt.


Literatur
Krieg aus dem Genlabor, 1991
– M.A. Fässler, «Biolog. Kriegführung», in ASMZ 158, 1992, 355-359
– M. Knoepfel, «Konvention und beschränkte Wirkung», in Zivilschutz 41, 1994, 48 f.
NZZ, 26.11.1996
– R. von Falkenstein, Vom Giftgas zur Atombombe, 1997

Autorin/Autor: Marco Jorio